Jahrgang 
46. Band (1959)
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IX.

Die Bremer Ostertorvorstadt in ihrer historisch-topographischen Entwicklung

Von Dietrich Schomburg II. Teil 1 )

Uber die Entwicklung der Ostertorsvorstadt im Mittelalter

Die geschichtliche Uberlieferung gibt uns zu wenig Material an die Hand, als daß sich aus ihm ein Bild von den ersten Ansiedlungen im Osten der Stadt entwerfen ließe. Aus der Zeit vor dem Jahre 1000 ist überhaupt keine schriftliche Nachricht darüber vorhanden, und die erste Bemerkung über Bremens Vorstädte bei Adam von Bremen im III. Buch seiner Hamburgischen Kirchengeschichte, Kap. 64 (1069 bis 1072), ist mit größter Vorsicht aufzunehmen 2 ). Erst nach 1200 be­ginnen die Quellen zu fließen, aber so spärlich und in ihren Angaben so ungenau, daß sich kein auch nur annähernd zuverlässiger Grund­riß entwerfen läßt. Wenn mittelalterliche Städte sich durch Herein­nehmen dörflicher Siedlungen vergrößert haben, so fehlte hier in Bremens östlicher Umgebung doch die geschlossene Dorfgemeinschaft, die mit ihrem Kern zunächst die Vorstadt hätte bilden können. Das erste wirkliche Dorf, Hastedt, lag vier Kilometer vom Bremer Markt­platz entfernt. Wohl lesen wir in alten Quellen des ausgehenden Mittelalters die Namen Ostendorf und Jerichow, beide Bezeichnungen in Verbindung mit der zwischen Bremen und Hastedt wohnenden Pagentorner Bauernschaft 3 ); aber die Pagentorner, die auf den elf verstreut liegenden Hofstellen saßen, hatten keinen dörflichen Mit­telpunkt. Sie wohnten alle merkwürdigerweise außerhalb der Pagen­torner Feldmark, worauf Buchenau 4 ) hinweist, während die Län­dereien der Meierhöfe innerhalb der Feldmark lagen. Und wenn wei­ter in anderen Urkunden von Bleicher- und Fischerbauern an Bleicher­und Fischerstraße, von Steinstraßer- und Sandstraßerbauern an Stein-

*) Der I. Teil, über den Deichschutz der östlichen Vorstadt, erschien im Brem. Jahrb., 45. Bd., S. 163 ff.

2 ) Siehe Anhang I.

3 ) H. Lampe, Die Pagentorner Bauernschaft, Brem. Jahrb. 42, S. 97 ff.

4 ) Buchenau, 2. Aufl., S. 297.