Achtzehnter Jahrgang. Drittes Quartal-
D e r
eine
Wochenschrift.
Bremen, Donnerstsg ven s. KextemLerisss.
Nun bin auch ich vom Fluch- fortgeflogen. Und alle Gräber find vor mir verschlossen.
Ahasvsr, der ewige Jude.
(Beschluß.)
Wohl dem, er starb in seinen Jngendtagen,
Er hat gar leicht, vom Schicksal liebgewonnen,
Die große Schuld des Schmcrzens abgetragen,
Das Leben ihm umsonst Verrath gesponnen!
Er sah nur erst der Leiden Blüthensaum,
Der Tod ergriff den holden Frühlingstraum. — Es schläft der Mensch in seiner Mutter Husten, Dann eine Weile noch mit Augen offen,
Irrt. er, ein Schläfer, in den Erdenlüften,
Und träumt ein buntes, himmlisch frohes Hoffen? Bis ihm an's Herz das rauhe Leben greift,
Den schönen Traum von trunkner Stirne streift, Und ihn mit kalter Faust in's Wachen schüttelt, Z Wie meine Hand hier Blüthen niederruttelt.
E» pocht das Herz des Armen ohne Rast,
Wei Tag und Nacht in ungeduld'ger Hast,
Auf daß es einmal endlich fertig werde,
Und seinen Sabbath sind' in kühler Erde.
Den hat die kalte Faust noch nicht erfaßt.
Er ist unaufgeschreckt vom Traum erblaßt.
Ich seh'S an seinen ruhig schönen Zügen,
Die, selig lächelnd, fast den Tod verhehlen,
Und immer noch- das Mährche» still erzählen, Die Erde noch zum Paradiese lügen!"
Er rüttelt wieder Blüthen von den Zweigen, Die niederflattern ihren Todcsreigen:
„Noch immer, Erde, den uralten Land Von Blüthentrciben und zerstören? — immer? Verdrießt, Natur, das öde Spiel dich nimmer? Ergreift nicht Schläfrigkeit die müde Hand?
>r Du gleichst mit deinem wüsten Zeitvertreib Im Dorfe drüben dem Zigeunerweib,
Die Karten schlägt, mit ihren bunten Bildern Vergangnes wie Zukünftiges zu schildern,
Und blöd begafft, belauscht, neugicr'gen Leuten,