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Geschichte der Freien Hansestadt Bremen von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Franzosenzeit / Christian Abraham Heineken. Bearb. von Wilhelm Lührs
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gegen bei irgendeinem in der Stadt angetroffenen Widerstand hätte erwarten dürfen, verrieten deutlich die üble Laune und die Unzufriedenheit der westfäli­schen Soldaten, unter denen viele der Gemeinen von einer verfehlten Plünderung, wozu ihnen Hoffnung gemacht sei, sehr verständliche Winke fallenließen. Und was hätte man nicht noch weit mehr von der holländischen Division besorgen müssen, welcher der Bericht des Obersten Ranke über die von einem Pöbelhaufen erlittenen Beleidigungen öffentlich mit dem Zusatz vorgelesen sein soll, jetzt marschiere sie nach Bremen und würde dort die Beleidigung der holländischen Uniform abzuwaschen wissen. Als ein schwaches Versöhnungsmittel des unzu­friedenen Soldaten mußte man wenigstens das Begehren ansehen, daß die Stadt gegen den folgenden Morgen für jeden Soldaten eine Bouteille Franzwein 1 , jedoch nicht unmittelbar an die Soldaten, sondern in das Quartier des Generals, bei dem Abmarsch zu liefern habe.

Desto mehr irrte sich dagegen die Stadt in ihrer Befürchtung von dem höchst auf­gebracht geglaubten Kommandierenden General 2 . Er lehnte die Deputation, die im Namen des Senats ihm aufzuwarten wünschte, unter dem Vorwand der Ermüdung ab und unterhielt sich statt dessen bloß mit einem Vertrauten des Rats und mit demjenigen Senator, den er bei seiner neulichen Anwesenheit kennenlernte (Dr. Gondela), sehr offenherzig. Freundlich kam er diesem entgegen, kein Vor­wurf wurde von ihm gehört. Er bedauerte die Stadt wegen der Unannehmlich­keiten, die seine Truppen ihr verursachten; noch mehr bedauerte er die nach­teiligen Berichte, die Lepel, Ranke, Lagau und andere über die freiwillige Auf­nahme der Braunschweiger abgesandt hätten. Er werde indessen die Stadt schon zu entschuldigen wissen, ihre Lage möglichst zu erleichtern suchen. Er handle dabei ohne alles Interesse, denn sein König gebe ihm genug; er finde aber, daß die Stadt nicht anders, wie geschehen, habe handeln können. Er werde zwar nach der Verfolgung des Herzogs wieder zurückkommen und habe die Order, alsdann 600 000 Franken für die Bedürfnisse der Armee von den Hansestädten zu fordern; da er jedoch das Kommando in dieser Gegend bekomme, so werde es wenigstens von ihm abhängen, ob er die ganze Division in Bremen lassen oder den größten Teil derselben in benachbarte Provinzen verlegen wolle. Gern tue er das letzte, ja, lasse vielleicht wenig oder gar keine Besatzung in der Stadt. Zugleich wolle er auch Handel und Schiffahrt auf alle mögliche Weise zu begünstigen suchen und sich bemühen, mit der Stadt in dem freundschaftlichsten Einverständnis zu leben, wogegen er dann von dieser wiederum mit Freundschaft behandelt zu werden erwarte.

Ihm diese zu beweisen, dazu zeige sich jetzt eine zufällige Gelegenheit, da er gerade eine gewisse Summe Geldes (die aber sehr ansehnlich sei) gebrauchen könne. Zu jeder anderen Zeit würde er dergleichen, sogar freiwillig angeboten, nicht mal annehmen und sei für ihn ein zu unbedeutender Gegenstand. Nur eben

1 Franzwein: französischer Rotwein.

2 Reubel (Reubell, Rewbell), ein Sohn des französischen Staatsmannes Jean Franjoise Rewbell (17471807), erfreute sich der Gunst des Königs Jerome Bonaparte, dessen erste Gemahlin, die Amerikanerin Elizabeth Patterson (17851879), die Kusine seiner Frau Betty war. Zunächst Oberst und Adjutant Jeromes, wurde er 1808 General und Gouverneur von Kassel, der Hauptstadt des Königreichs Westfalen.

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