9. Rettungsanstalten für Scheintote — Straßenbeleuchtung — Torfbassin und -magazin — Vertiefung der Weser — Bürgerweide — Kornhäuser
Zeichneten sich diese Jahre schon durch das bis hierher Erwähnte als merkwürdig aus, so sind sie es nicht minder durch Einführung verschiedener neuer und Verbesserung einiger schon vorheriger öffentlicher Anstalten. Nicht leicht geschah in einem so kurzen Zeitraum so vieles von dieser Art, teils durch den Staat, teils durch Privatverbindungen.
Unter jenen verdienen die Rettungsanstalten für Scheintote den ersten Platz. Für Unglückliche, die, ins Wasser gefallen oder durch Dünste, Rauch, u. dgl. ihres Bewußtseins beraubt, bereits völlig verloren oder leblos schienen, hatte England schon lange Rettungsversuche eingeführt, deren glücklicher Erfolg die menschenfreundlichen Absichten belohnte. Auch in anderen Staaten versäumte man nicht, die Aufmerksamkeit hierauf zu richten, und besonders gab Hamburg ein Beispiel, das längstens zur Nacheiferung hätte reizen sollen. Aber leider blieb man hierin in Bremen noch immer untätig, so manches Opfer auch jährlich die Weser verschlang. Endlich kam im Jahre 1797 diese Sache in dem Senat ernstlich zur Sprache. Eine Kommission überlegte und prüfte die schicklichsten Mittel, die sie der Lokalität am angemessensten hielt. Sie schaffte mit Zuziehung erfahrener Ärzte die nötigen Gerätschaften auf Kosten des Staates in hinlänglicher Menge an und verteilte sie an öffentlichen Orten. Ärzte und Wundärzte, die man zur Unterstützung und eiligen Hilfe bei vorkommenden Fällen aufforderte, erklärten sich dazu bereitwillig. Ein faßlicher Unterricht für jeden, den der Zufall zuerst zu einem solchen Unglücklichen führte, erschien im Druck, und Belohnungen wurden ausgesetzt. Leider entsprach bei dieser Einrichtung, um welche sich der nachherige Bürgermeister Liborius Diedrich von Post ebenmäßig das meiste Verdienst erwarb, der Erfolg nur nicht dem edlen Zweck. Wohl fand man Gelegenheit, die Belohnungen an solche auszuteilen, die einen oder anderen ins Wasser Gefallenen, oft mit eigener Lebensgefahr, schnell wieder herausholten, wozu es indessen nach dem Charakter des Bremers keiner Prämie bedurft hätte. Bei solchen hingegen, die schon wirklich leblos schienen, wollten die angewendeten Hilfsmittel bisher noch nicht gelingen.
Eine andere wohltätige Versorgung erhielten die kranken Unteroffiziere und Soldaten. Diese fanden bis dahin bei ernsthaften Krankheiten eine Aufnahme auf dem Krankenhause; aber alsdann zog das Krankenhaus auch den Sold, Weiber und Kinder blieben inzwischen ohne Unterhalt. Dieses abzuändern, beschäftigte man sich ebenmäßig im Jahre 1797. Statt der Aufnahme in dem Krankenhause und zu dessen Erleichterung beschloß man für die kranken Unteroffiziere und Soldaten unentgeltliche ärztliche oder wundärztliche Hilfe, Arzneien, nötige Erquickung und Pflege, und der Kranke oder dessen Familie behielt außerdem den ganzen Sold. Diese anfänglich nur auf drei Jahre zum Versuch gemachte, nachher aber stets verlängerte Einschickung nahm im April des folgenden Jahres ihren Anfang.
In eben diesem Jahre (1797) erhielt die Altstadt einen bis dahin sehr entbehrten Vorzug durch eine bessere nächtliche Straßenbeleuchtung. Zwar hatte Bremen
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