Manfred Rech
Anmerkungen zum Pferdegeschirr von Leeseringen, Gde. Estorf, Kr. Nienburg
In der kürzlich im Focke-Museum Bremen und danach in Museen von Hamm und Krefeld gezeigten Ausstellung „Pferdeopfer - Reiterkrieger. Fahren und Reiten durch die Jahrtausende" war unter verschiedenen Aspekten vom Pferdegeschirr seit den ältesten Zeiten die Rede. Unter anderem wurden auch bronzene so genannte Ringfußknöpfe zusammen mit bronzenen Tutuli ausgestellt, die bei der Untersuchung des Grabes VI/1 des Hallstatt C-zeitlichen Gräberfeldes von Mitterkirchen, Oberösterreich, als Zaumzeugteile eines Pferdes gefunden wurden (Rech 2006b, 23 Abb. 32). Wie die Tutuli sind die Ringfußknöpfe massiv gegossene, pilzförmige Objekte von bis 2,5 cm Durchmesser. Die Rekonstruktion des Mitterdorfer Kopfgestells mit beiden Schmuckelementen vermag einen Eindruck zu vermitteln, dass das Pferd in der Hallstattzeit durchaus schon die Rolle eines Statussymbols einnehmen konnte; die Rekonstruktion lässt allerdings im Detail einige Fragen offen, da sie der Fundsituation nicht entspricht (Abb. 1).
Dass beide Formen funktional zusammengehören, wurde seit längerem vermutet. G. Kossack führte 1954 eine Reihe von Beispielen an, bei denen Tutuli und Ringfußknöpfe entweder in süddeutschen Depots oder Grabfunden zusammen mit eindeutigen Teilen des Pferdegeschirrs vergesellschaftet sind (Kos- sack 1954a, 118). Damals wurde eher aufgrund kombinationsstatistischer Überlegungen angenommen, dass sie vermutlich an Riemenkreuzungen des Kopfgestells angebracht waren. Die Riemen wurden dabei durch seitliche Öffnungen bzw. Schlitze des Fußes geführt. Ringfußknöpfe gibt es in vielen Varianten in der Hallstattzeit Süddeutschlands, im Alpenraum und in Südosteuropa (Metzner-Nebelsiek, 303ff. mit Abb. 139ff.), worauf noch einzugehen sein wird.
Die Schwierigkeit mit der funktionalen Zuweisung ergab und ergibt sich in der Regel durch den fehlenden Fundzusammenhang, sei es, dass es sich um Altfunde aus wenig beobachtetem Grabzusammenhang handelt, sei es,
Nachgegossener Bronzeschmuck des Kopfgestells von Grab VI/1 aus Mitterkirchen, Oberösterreich.
243