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Bremer archäologische Blätter / Der Landesarchäologe
Entstehung
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Daniel Zwick

Das Beluga-Schiff vom Bremer Teerhof. Vorläufige Untersuchungsergebnisse

Im Frühjahr 2007 führte der Bremer Landes­archäologe eine baubegleitende archäologi­sche Untersuchung auf der Teerhofhalbinsel durch. Im Tiefbauschacht des künftigen Fir­mensitzes der Reederei Beluga Shipping GmbH wurde ein Schiffswrack (Grabungsnum­mer 230 Altstadt Teerhof BAI/Befund 36, Teerhof Schiff 2) entdeckt, das im März/April 2007 ausgegraben, vorläufig dokumentiert und für eine anschließende Konservierung geborgen wurde.

Lage

Gerade noch innerhalb des Tiefbauschachts des im Bau befindlichen Firmensitzes der Belu­ga Shipping GmbH, Ecke Teerhof-Herrlichkeit, kam im Februar 2007 an der nordöstlichen Spundwand ein rund 7 m langes und etwa 1,7 m breites Wrackteil zum Vorschein (Abb. 1). Das Wrackteil erstreckt sich in einer Tiefe von zwischen 1,60 m und 0,65 m über Normalnull (NN). Die Bordwand war mit Pflöcken durchtrie­ben worden und von lehmhaltigen fluvialen Sedimentablagerungen der Weser bedeckt. Dieser anaeroben Lage verdanken wir den rela­tiv guten Erhaltungszustand des Wracks.

Befund Schiffshölzer

Das Wrack (Abb. 1,2) besteht aus Bruchstücken des Kiels und des Vorstevens samt acht Plan­kengängen der Backbordseite und einer frag­mentarischen Planke des Steuerbord-Kielgangs. Diese aus Eichenholz hergestellten Planken sind in Klinkerbauweise miteinander verbun­den. Die nachfolgenden Plankengänge 2 bis 8 befinden sich zunehmend in einem bruchstück­haften Zustand. Die radialgespalteten Planken selbst weisen eine Dicke von ca. 2,1 cm und eine Breite von ca. 20 cm auf (Abb. 3).

Die Breite der Lannungen [Plankenüberlap­pungen] variiert und beträgt mindestens 2,5 cm. Die Schäftungen der Planken wurden durch sich keilförmig miteinander bis zu 15 cm überlappenden Plankenenden hergestellt, die mit einer nahezu ebenen Oberfläche abschlie­ßen.

Der Balkenkiel, von dem nur ein Abschnitt von 3 m erhalten ist, war bei seiner Entdeckung mit der Baggerschaufel schwer beschädigt worden. Der erhaltene Steven ist an seinem unteren En­de so eingeschnitten, dass er auf dem Kiel zu stehen kommt und dessen Stirnholz abdeckt. Während die Form bereits die Vermutung nahe­legt, dass es sich hierbei um den Vorsteven han­delt, geben die Ausrichtungen der Planken- schäftungen die Gewissheit, denn sie schließen konform zur Fahrtrichtung ab. Weder im Kiel noch im Steven wurde eine Sponung [eingestemmte Plankenauflage] beob­achtet. Die Lannungen der Plankenenden kommen vor dem Vorsteven flach zum Liegen und können somit den Steven nicht überragt haben. Von den auf der Steuerbord-Seite auf­genagelten Plankenenden, die hier den Vor­steven um bis zu 15 cm überlappten, ist nur noch eine hauchdünne Schicht erhalten, die entweder während oder nach dem Abwra­cken abgebeilt wurde. Abgesehen von der na­hezu vollständigen Entfernung der Planken­gänge auf der Steuerbord-Seite, waren auch alle Spanten sehr sorgfältig entfernt worden, so dass nur noch die Holznagelreihen von ihnen zeugen.

Verbindungselemente

Das größte und markanteste Verbindungsele­ment ist ein eiserner Stevenbolzen von rund 18 cm Länge, der den untersten Teil des Vorste-

Das Beluga-Schiff (Teerhof-Schiff 2), von der Nordseite fotografiert (Foto: Daniela Jager).

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