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Bremer archäologische Blätter / Der Landesarchäologe
Entstehung
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Birgit Scholz

Neues zu einigen griechischen Vasen im Focke-Museum

Einleitung

1933 stellte Hans Schaal einige griechische Va­sen des Focke-Museums vor. Seither wurde selten über Vasen dieser Sammlung gearbeitet (SCHOLZ 1994; DIES. 1997). Nach der Neuin­ventarisierung der Antiken durch Verf. 1996/97 soll exemplarisch an drei Vasen das Spektrum der Sammlung gezeigt werden. Wie fast alle An­tiken des Museums kamen sie aus dem 1922 mit dem Focke-Museum vereinigten Gewerbe­museum. Bis zur Neuinventarisation in der archäologischen Abteilung waren die Antiken nur sehr knapp im Inventarbuch des Gewerbe­museums verzeichnet; unter dessen Inventar­nummern wurden die von Schaal behandelten Vasen in der Forschung auch einzelnen Malern oder Werkstattgruppen zugewiesen. Ihre tech­nischen Details wurden dabei nicht beachtet. Daher sollen hier Maße, Zustand und Herstel­lungstechnik mitgeteilt werden; auch die Ikono­graphie verdient nach 70 Jahren, auf den aktu­ellen Stand gebracht zu werden.

Das Alabastron FM 11230 (Abb. 1-2) Das Alabastron FM 11230 (Altes Inv. 8217; SCHAAL 17 f. 75 Abb. 3 Taf. 5c; KILINSKI 1986, 129 f. 133. Abb. 7-8; DERS. 1990, 8 Nr. 25) wurde 1907/08 aus der Sammlung Vogell, Karlsruhe, gekauft und hat folgende Maße: Höhe 20,4 cm, Durchmesser 9,4 cm, Mündungsdurchmesser 5,9 cm, Bildfeldhöhe 11,1 cm, Fassungsvermögen: 0,45 I, Gewicht: 345 g. Die Gefäßlippe ist einmal geklebt und et­was bestoßen. Die Oberfläche zeigt Kalkaus­sprengungen und ist z. T. abgerieben. Im Bauch verlaufen vier z. T. mit Gips verschmierte Risse. Der Mündungsteller hängt gegenüber dem Hen­kel etwas nach unten. Oben in der Bildzone sit­zen Drehrillen vom Töpfern. Der ocker grünliche Tongrund - die tonfarbene Oberfläche der Vase, auf die die Figuren mit Firnis gemalt wurden - färbte sich beim Brand z. T. rötlich, der rot­braune Firnis - ein feiner, beim Brand versintern­der Tonschiicker, den man für die Figuren ver­wandte - teilweise schwarzbraun bis oliv. Die Vase hat dünne Kalksinterspuren; Firnis und Tongrund vor der Pferdebrust sind beschädigt. Die hellorange Farbe des Scherbens lokalisiert die Vase nach Böotien. Die eingeritzten Kontu­ren und Binnenzeichnungen folgen nicht immer der Kontur des zuvor aufgetragenen Firnis. Die

Rosetten unterhalb und links der Lotosknospe und an der linken Hand des Reiters sind ohne Außenritzung, ebenso die Zügel, wo sie nicht den Pferdehals überschneiden. Das Alabstron steht auf einer runden Delle in der Unterseite.

Die Mündung ist innen 1,1 cm tief gefirnist. Um die mit Firnis ausgemalte Delle unten laufen drei konzentrische Kreise, auf denen ein Zungen­muster steht. Darüber befindet sich die oben und unten von einem zwischen drei horizontalen Streifen eingefügten doppelten Band kurzer senkrechter Striche mit zwei horizontalen Strei­fen darüber und darunter begrenzte Bildzone.

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