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Bremer archäologische Blätter / Der Landesarchäologe
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Dieter Bischop

Die Ausgrabungen in der Dionysiuskirche zu Wulsdorf

Die gründliche Sanierung der 1313 erstmalig er­wähnten Dionysiuskirche in Bremerhaven-Wuls­dorf (Abb. 1) machte im Herbst/Winter 2002/ 2003 einen Einsatz der Bremer Landesarchäo­logie notwendig. Der Einbau einer Fußboden­heizung brachte Eingriffe in den Kirchenunter­grund und somit die Möglichkeit, einen Einblick in den Untergrund und damit in die Geschichte der Dionysiuskirche zu tun. Trotz geringer Zeit und personeller Resourcen mussten die hierbei sichtbar werdenden Spuren eventueller Vorgän­gerbauten freigelegt und dokumentiert werden. Zur Klärung der Befundsituation wurden abge­sehen von den geplanten Heizungsschächten nur noch wenige kleine Sondierungen vorge­nommen. Der Kirchengrund sollte nicht ohne Notwendigkeit zerstört werden. Nahezu das ge­samte anfallende Erdreich wurde mit einem gro­ben Sieb (Maschenweite 8 mm) gesiebt (Abb. 2). Hierbei konnte vor allen Dingen unser ehren­amtlicher Mitarbeiter E. Stuve zahlreiche Mün­zen bergen.

Die Feldsteinkirche mit gesondertem Glocken­turm war Sendkirche für die Kirchen in Schiff­dorf, Geestendorf und Bramel. Somit war schon ein gewisses Alter anzunehmen. Zudem deutet der Patron Dionysius als karolingischer Heiliger prinzipiell auf ziemlich alte Kirchen hin, so dass eventuell Vorgängerbauten zu vermuten waren.

Nach Entfernung des letzten Bodens zeigte sich ein spätmittelalterlicher Boden aus querverleg­ten Klosterformatziegeln. Großflächig war dieser Boden nur noch im östlichen mittleren Kirchen­schiff erhalten. Hauptsächlich im Westen war der Boden partiell durch einen kleinformatigeren Ziegelsteinboden ersetzt worden. Im Mittelgang und auch im östlichen Chorbereich fehlte jegli­cher Ziegelboden. Der Lettner, also die Tren­nung von Chor und Kirchenschiff, war bereits in diesem Bodenniveau durch flache Findlinge er­kennbar (Abb. 3). Auch an den mittleren Stre­bepfeilern im Kirchenschiff wurden im Bereich der später festgestellten Seitenaltäre hochra­gende Fundamentfindlinge eines frühen Um­baues mit in den Fußboden einbezogen.

In den untersten Schichten fanden sich ver­streut mehrere kleine atypische, am ehesten neolithische Flintabschläge und Klingen. Sie

M 1

Die Dionysiuskirche in Bremerhaven- Wulsdorf.

zeugen zumindest von menschlichen Aktivitäten während der Steinzeit - möglicherweise ersten Siedlungsversuchen auf der Kuppe. Überra­schend war eine naturwissenschaftliche Datie­rung von Holzkohle, die aus unter den Kirchen­horizonten gelegenen Schichten stammt. Eine 14C-Altersdatierung des Geoinstituts Hannover ergab ein absolutes Alter zwischen 215 und 415 n. Chr. Eine ähnlich frühe Datierung gibt es aus der Kirchengrabung im oldenburgischen Dötlin-

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Blick in

das Kirchenschiff während der Grabungen.

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