Dieter Bischop
Die Steinkammern am Fluß - Vorberichte über die Ausgrabungen auf dem Grundstück Hotel Überfluss
Die Ausschachtungsarbeiten für das neu geplante Arthotel „Überfluss" an der Schlachte lieferten wichtige Informationen über die Frühgeschichte am ehemaligen Hafen Bremens. Das neue Hotelgebäude deckt die Flächen von drei früheren Hausparzellen ab, deren mittlere sich von der Schlachte bis zur Langenstraße hindurch erstreckt. Eine klassizistische Fassade zur Weser hin und eine gründerzeitliche Hausfront an der Langenstraße blieben von der letzten Bebauung erhalten und wurden in den Neubau integriert. Die klassizistische Fassade des Hauses Schlachte 36 ist heute der allerletzte Rest der im Krieg vollständig zerstörten unteren westlichen Hafenpromenade.
Während der Ausschachtungsarbeiten im Winter 2003/2004 ließ sich die Geschichte des Ortes - über knapp tausend Jahre hindurch - herauslesen.
Im Gebiet des heutigen Hotels zieht die Bremer Düne, auf uralten Weserablagerungen liegend, in einem Winkel von etwa 20 Grad in die Weser hinab. Überlagert ist die Düne hier von unterschiedlich mächtigen Auelehmauflagerungen als Zeugen starker Überschwemmungen, die offensichtlich Siedlungsüberreste der nordwestlich gelegenen frühen Stadt fortgerissen haben. In den untersten Schichten der Weserablagerungen lag neben einer frühmittelalterlichen einheimischen Randscherbe auch die Scherbe einer Pingsdorfer Weinamphore.
Durch geringfügige Änderungen im Weserverlauf bildete sich ein Uferwall, hinter dem ein Altarmrest langsam versumpfte. Hiervon zeugen die Reste von zahlreichen Sumpfpflanzen und im Sumpf entsorgtes Schnittmaterial einer Nasswiese. Nachgewiesen werden konnten u. a. Waldsimse, Sumpfried, Blasensegge, Knäuelbinse, Wasserminze und Klee.
Entsorgt wurden um 1100 zahlreiche Abfälle aus den nördlich gelegenen, bäuerlich geprägten Haushalten, darunter große Knochen von Pferd, Rind, Schwein und Katze. Um die Mitte des 12. Jhs. wurden vermehrt Scherben von Kochgeschirr aus Keramik entsorgt. Einzelne relativ dünne Pfosten aus Erle trugen möglicherweise einen Steg, der direkt zum Wasser führte.
Ein vollständiger, sehr großer Knochenkamm und ein aufwändig kerbschnittverzierter Holzlöffel mit durchbrochenem Griff sind wie das Reststück einer Paternosterherstellung ebenfalls im Schlamm des Tümpels versunken (Abb. 3, 1 u. 4-5).
Der Weg führte treppenartig zu einer aus Eichenplanken errichteten Anlegestelle herunter, deren Errichtung durch die Dendrochronologie um oder nach 1154 datiert werden kann. Ein unweit daneben geborgenen Eichenpfahl datierte bereits auf den Winter 1121/22.
Eine echte „Landnahme" vollzog sich dann um 1183, als man mit einer Reihe spitz zugeheilter Eichenpfähle die Uferlinie der Weser vor Abschwemmung durch Hochwasser und Eisgang sicherte. Wohl unmittelbar danach errichteten die Bauherren nur einen Meter hinter der Pfahlreihe am Ufer drei quadratische Türme aus Stein unmittelbar aneinander - die Steenkamern der bremischen Urkunden (Abb. 1). Der westliche und der mittlere Bau besaßen eine gemeinsame Quermauer, die östliche Kammer war ein wenig
Blick auf die 1183 erbauten Steinhäuser Das mittlere vollständig und mit Holzvorbau
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Blick auf die Grabung
an der Schlachte. Deutlich sind die Steinkammergrundrisse zu erkennen.
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