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Bremer archäologische Blätter / Der Landesarchäologe
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Christina Ebhardt/Annette Siegmüller

Zur Uferlinie der Balge in der Langenstraße

Aufgrund von Baumaßnahmen konnte in der Zeit vom 6.3.-4.4.1997 eine Grabung auf dem Grundstück Langenstraße 7/9 durchgeführt werden. Die Häuser auf den beiden Parzellen mußten abgerissen werden, leider auch das sogenannte Toussaint-Haus, da dessen Un­tergrund die Standsicherheit des Hauses nicht mehr gewährleistete. Ein Teil des ursprüng­lichen Kellerbodens sollte dennoch erhalten bleiben, so daß nur zwei kleinere Flächen zur Durchführung einer archäologischen Ausgra­bung zur Verfügung standen. Die Lage der zu dokumentierenden Profile war durch den ste­henbleibenden Kellerboden von vornherein festgelegt. Die Grabung wurde einem Team von Studenten der Mittelalterarchäologie aus Bamberg und Hamburg übertragen.

Schon lange war aus alten Karten und Über­lieferungen bekannt, daß die Balge etwas westlich der Langenstraße verlief und ca. 640 m durch das Bremer Stadtgebiet floß (WEI­DINGER, 55). Vor ihrer Kanalisierung im 17. Jahrhundert hatte sie eine beachtliche Breite, und für das Frühmittelalter wird sogar von 30-40 m ausgegangen (WEIDINGER, 58). Ver­

mutlich war sie von einem breiten Schilfstrei­fen eingefaßt. Dies zeigt nicht zuletzt der Bal­gebrief von 1749, in dem es heißt:Des Win­ters, wenn de Balge in groten Strome gheyt" (BRUNK, 10). Etwa im Bereich des Hauses Tiefer Nr. 12 trennte sich die Balge von der Weser und floß auf Höhe des heutigen Anwe­sens Schlachte Nr. 10/11 wieder in den Hauptstrom zurück (WEIDINGER, 55). Also wurde durch die Balge das gesamte Martini­viertel zu einer Insel. Bremens erster Hafen lag nicht etwa an der Weser, sondern an der Bal­ge. Genaue Kenntnisse über die Balge aus Grabungen liegen jedoch nur für den Bereich des Marktplatzes vor, dessen gesamter Südrand bei Flut von Wasser umspült wurde. Hier befand sich vermutlich auch eine mittelal­terliche Schiffswerft (Brandt 1992, 196). Bekannt ist auch, daß sich an der Langen­straße wegen der Hafennähe zahlreiche Kauf­leute ansiedelten. Mit dem Ausbau der Schlachte als Hafen verlor die Balge zuse­hends an Bedeutung und wurde nunmehr als Abwasserkanal genutzt. Im Jahre 1602 be­gann man mit der Kanalisierung der Balge. 1838 wurde der Seitenarm der Weser endgül-

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1 Blick um 1910 auf das Haus Toussaint an der Langenstraße. Landesamt für Denkmalpflege Bremen

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