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Bremer archäologische Blätter / Der Landesarchäologe
Entstehung
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Dieter Bischop

Ein spätantiker Kameo und eine Glaspaste aus Bremen

1 Oben: Fragment eines römischen Kameo aus Mahndorf. Maßstab 3,5:1 Unten: Imitat einer Karneol-Gemme vom Teerhof mit Abdruck. Maßstab 2,5:1

Zwei bisher im Magazin verborgene oder unbeachtet gebliebene, kleine Bremer Fund­stücke, Schmucksteine mit Frauenbüsten antiker und nachantiker Zeit, erweisen sich bei genauerer Betrachtung von unterschiedlicher Bedeutung für die Bremer Geschichte. Der erste zu behandelnde Schmuckstein stammt aus der germanisch-sächsischen Siedlung Bremen-Mahndorf. Das bis zu einer Länge von einem Zentimeter erhaltene, spitz­oval ausgebrochene Stück lag ohne Befund­zugehörigkeit in einem Siedlungsbereich mit Grubenhäusern.

Im Gegensatz zu dem nahegelegenen Gräber­feld am Mahndorfer Fuchsberg kamen im Bereich der gleichzeitigen Siedlung bisher nur relativ wenige römische Importstücke zutage: So z.B. eine römische Distelfibel (BRANDT 1965, 20, Abb. 3), ein Rasiermesserfragment mit Griff in Form eines Greifenkopfes, ein Bronzeanhänger, Bronzegefäßreste und drei Münzen des 2. und 4. Jh. n. Chr. sowie einige wenige römische Keramikreste (STUPPE- RICH, 49; BRANDT 1979, 31 ff.). Diesen Streufund aus dem Jahre 1969 konnte erst später D. Hölscher als Fragment eines geschnittenen Steines identifizieren. Es han­

delt sich um den Rest eines ehemals wohl in einem Fingerring gefaßten Kameo (arab./frz. Halbedelsteinbild mit erhabenem Relief). Das Gesteinsmaterial ist ein dreilagiger Sardonyx, ein Halbedelstein. Der ehemals wohl hoch­ovale Kameo gab eine weibliche Büste im Profil nach rechts wieder (Abb. 1 oben). Erhal­ten sind nur der vordere Oberteil des Kopfes, ein Teil der Haarkalotte mit Stirn, das rechte Auge und die stark beschädigte Nase. Durch die geschickte Bearbeitung des drei­schichtigen Steines hob sich das aus der obersten weißen Gesteinslage herausge­schnittene Porträt plastisch und farblich vor dem Hintergrund der heute seitlich weggebro­chenen, untersten schwarzen Gesteinslage ab. Der dunkle Hintergrund ist auf der Vorder­ansicht nicht mehr erhalten; nur auf der rückwärtigen Seite des Fragments ist der ur­sprüngliche Kontrast zwischen weißem Kopf und schwarzem Hintergrund erkennbar. Durch das in geraden parallelen Strähnen zurückgekämmte Haar kann das Porträtfrag­ment als Darstellungsrest einer Frauenbüste gewertet werden, die aufgrund des grob erkennbaren Frisurentyps in das 3 Jh. n. Chr. oder kurz darauf gesetzt werden kann. Eine

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