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Bremer archäologische Blätter / Der Landesarchäologe
Entstehung
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Ausgehend von diesen Befunden muß man annehmen, daß sich unmittelbar östlich dieses eingetieften Raumes das ehemalige südliche Querhaus der ersten Klosterkirche anschloß. Die erste Klosterkirche wurde um 1100 noch einmal geringfügig umgebaut; aus Beobach­tungen vor dem Eingang zur Hauptkrypta (Abb. 1, 3) wissen wir, daß der Fußboden dieser Zeit rund siebzig Zentimeter unter dem heutigen Laufhorizont lag. Reste dieses Fußboden­estrichs wurden auch unmittelbar östlich des oben beschriebenen eingetieften Raumes fest­gestellt. Der Estrich stieß an zwei nebenein­anderliegende Sarkophagbestattungen (Abb. 1,2).

Entsprechend der Fußbodenhöhe und Lage ergibt sich für die Bestattungen ein zeitlicher Ansatz zwischen ca. 1100 und 1209. Der südli­chere der beiden Sarkophage war aus Tuffen gemauert und wurde mit einer geglätteten Schieferplatte von 1,9 m Länge abgedeckt. Diese Schieferplatte überlagerte gleichzeitig seitlich auf einer Breite von 10 cm eine zweite, ältere Bestattung. Von dieser Bestattung war zunächst nur das obere Zweidrittel einer Grab­platte aus rotem Sandstein mit Stabverzierung sichtbar (Abb. 2). Das untere Teil der Grabplatte war abgebrochen und verrutscht; offensichtlich ist hier bei der Verlegung einer Gasleitung recht pietätlos mit den Bodenfunden umgegangen worden. Bei einem ersten Blick durch die Öff­nung in den Sarkophag zeigten sich die Reste einer oberhalb des Beckenbereiches ungestör­ten Bestattung (Abb. 3). Die Knochensubstanz war mit Ausnahme der Langknochen und zwei­er Wirbel zu Staub zerfallen. Vom Schädel hat­ten sich nur ein Teil des Unterkiefers und einige Zähne erhalten, die aufgrund der äußerst gerin­gen Abnutzungsspuren auf ein junges, rund zwanzigjähriges Individuum schließen lassen. Die Zahnhälse waren ebenfalls vergangen. Schräg über dem Brustbereich wurden Reste eines hölzernen Stabes festgestellt; unter dem Kopf fanden sich Reste eines Holzbrettes. Dort wurden auch Bruchstücke eines groben Leinengewebes und einer gedrehten Leinen­schnur geborgen.

Der Sarkophag selbst bestand aus Tuff. Die Innenwände waren bogenförmig mit dem

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Zweispitz bearbeitet, die Ecken als Viertelrund­stäbe ausgebildet. Am oberen Rand zeigten sich einige ältere Beschädigungen. Das lichte Innenmaß des Sarkophages betrug 2,08 x 0,6 m, die Wandung war rund 10 cm stark; er war rechteckig und verjüngte sich zum Fuß­ende hin nicht. Dies spricht dafür, daß es sich um einen antiken Sarkophag in Zweitverwen­dung handelt. Der Sarkophag mitsamt dem Sandsteindeckel wurde von der Feuerwehr gehoben. Bei der Herausnahme zeigte sich, daß er in den ungestörten Sandboden gesetzt war. Aus dem nördlich angrenzenden Bereich konnte ein Bruchstück einer Badorfer Relief­bandamphore geborgen werden. Der Tuff­sarkophag und die wieder zusammengefügte und an den seitlichen Ausbruchstellen restau­rierte Sandsteingrabplatte wurden in einer klei­nen Gedenkkapelle unmittelbar neben dem Hauptportal untergebracht und sind dort heute zu besichtigen (Abb. 4).

2 Die stab­verzierte Grab­platte bei der Freilegung.

Die wiederzusammengefügte Grabplatte ist trapezförmig, dabei oben 93 cm, unten 78 cm breit und 2,3 m lang. Außen verläuft ein schmaler flacher Randstreifen und ein umlau­fender erhabener Steg. Die Platte wird durch einen mittig verlaufenden Kreuzstab mit tra­pezförmigen Querarmen in zwei spiegelbild­lich identische Hälften gegliedert. Die jeweili­gen Hälften umgibt ein weiterer Steg, der an den äußeren Längsseiten mit drei und an der Innenseite mit jeweils einem nach innen gerichteten Dreieck gegliedert ist. Der Kreuz­stab wird von zwei M-förmig verbundenen Dreiecken bekrönt, die an die erhabene Run­dung zweier Krummstäbe stoßen, die den Kreuzstab seitlich flankieren.

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