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Bremer archäologische Blätter / Der Landesarchäologe
Entstehung
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1 Lindern. Münzen des 3. Jh. n. Chr. (Verbleib: Focke Mus.) M. 2:1.

2 Lindern. Münze des 4. Jh. n. Chr. (Verbleib: Focke-Mus.) M. 2:1.

ohne weiteres dazu verleiten, das Gefäß als rö­mische Terra sigillata, also etwa als Reibescha­le anzusehen, auch wenn Terra sigillata Gefäße durchaus häufig als Grabgefäße ihre letzliche Verwendung fanden, wie z. B. im nicht allzu weit entfernten Kirchweyhe (RADDATZ, S.45).

Die drei Münzen sind in dem Grabgefäß mög­licherweise noch im dritten Viertel des 4. Jh.

niedergelegt worden. Daß mehr als eine Mün­ze, also ein echter Charonspfennig, in Gräbern nicht unüblich waren, zeigt ein etwa gleichal­ter Münzhort in einer Keramikurne aus dem völkerwanderungszeitlichen Gräberfeld bei Ritsch. In dem Gefäß fanden sich 20 Kleiner­ze neben dem Leichenbrand und Glasperlen.

Daß in dem kleinen Hort von Lindern noch zwei Silbermünzen vorhanden waren, die selbst zum Zeitpunkt der Niederlegung schon knapp 100 Jahre alt waren, mag nicht verwundern. Silber­münzen der 2. Hälfte des 3. Jh., besonders An- toniniane des Gallischen Sonderreiches, finden sich immer wieder in Hortfunden des 4. Jh. (FMRD, 197).

Nicht weit von Lindern entfernt ist in Groß-Les- sen ein kaiserzeitlicher Urnenfriedhof bekannt, von dem jedoch nur noch ein stempelverziertes Gefäß erhalten ist. Doch mag dieser wohl noch bis in die Völkerwanderungszeit hinein belegte Friedhof nicht direkt mit Lindern in Verbindung stehen.

Die Münze des Valentinian I ist offensichtlich ein Einzelfund (Abb. 2), d.h. unabsichtlich verlo­rengegangen und dürfte jedoch mit der Fund­stelle der Urne in weiterem Zusammenhang stehen.

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