Manfred Rech
Archäologie im Land Bremen 1994-1995
In dem Berichtszeitraum, der ungefähr die Zeitspanne von September 1993 bis Oktober 1995 umfaßt, steht wiederum die praktische Geländetätigkeit im Vordergrund. Da während dieser Zeit jedoch auch die Museumsarbeit stärker als bisher Berücksichtigung finden mußte - 1995 wurde die ständige Ausstellung der Abteilung Ur- und Frühgeschichte am Bremer Landesmuseum neu eröffnet - ist der Berichtsteil diesmal zweigeteilt.
Bodendenkmalpflege
Im Herbst 1993 beobachtete C. C. von Fick eine Rohrpressung entlang des Herdentorstein- weges Richtung Altstadt. Dabei wurde auch der alte Wall durchstoßen, und zahlreiche Funde kamen zutage, darunter auch sehr alte Keramik (Fst. 121/Altstadt 1993).
Die das Amt über Jahre beschäftigende Untersuchung der altsächsischen Siedlung von Grambke in der Trasse der A 281 war im Frühsommer 1993 beendet worden. Die dabei zutagegekommenen Befunde, meist Grubenhäuser, sind im letzten Heft der „Bremer Archäologischen Blätter" schon im Gesamtplan eingezeichnet (WESEMANN - VON FICK, 24 Abb. 2), jedoch noch nicht weiter beschrieben. Dies holt in diesem Heft H.Witte nach (vgl. Witte, S. 24). Auch sein Bericht kann nur einen kleinen Eindruck des Vorgefundenen vermitteln und ersetzt auf keinen Fall eine umfassende wissenschaftliche Bearbeitung der Grabungsergebnisse der letzten Jahre.
Bis Ende 1993 blieb die Autobahntrasse jedoch weiterhin im Blickfeld der Dienststelle, da bedingt durch den Autobahnbau seitlich angrenzende Parzellen neu vermessen und zum Teil anders genutzt wurden. Dabei vorkommende kleinere Bodenbewegungen erbrachten hinsichtlich der sächsischen Siedlung jedoch keine neuen Erkenntnisse; ähnlich war es bei einem Bodenaufschluß Sommer 1995 auf einem an sich fundträchtigen Gebiet an der Riedemann- straße. Grambke sollte aber dann im April 1994 die Dienststelle beschäftigen. Über Jahre schon geht Herr Witte die Listen der eingehenden Bauanträge durch, gleicht sie mit den beim Landesarchäologen gespeicherten Daten ab. Gibt es dann Erdbewegungen, wie Ausschachtungs
arbeiten, in einem mutmaßlich oder sicher fundträchtigen Gebiet, so müßten diese Arbeiten regelmäßig überwacht werden.
Mangels ausreichendem Personal - 1994/95 stand nur ein Grabungsmeister zur Verfügung - ist dies jedoch nicht möglich. Fallweise geht dann auch der „Innendienst" nach draußen und beobachtet. Auf diese Weise konnten mitten in Grambke, am Dorfweg gelegen, in der Baugrube eines Mehrfamilienhauses dichte Spuren einer bislang unbekannten Siedlung entdeckt werden, die sich bald als für die Landesgeschichte besonders wertvoll herausstellte. Offenbar handelt es sich um die Nachfolgesiedlung des südlich gelegenen altsächsischen Fundplatzes (vgl. Rech S. 35 ff.).
Von ur- und frühgeschichtlichen Fundplätzen, die durch Bebauung und sonstige Erd- und Erschließungsmaßnahmen bedroht waren, ist wieder das Grabungsschutzgebiet am Oeversberg in Bremen-Grohn hervorzuheben. Hier hatte bereits K. H. Brandt in den 80er Jahren bedeutende Fundstellen untersuchen können, und als die Erweiterung bzw. Neuanlage von Tennisplätzen geplant wurde, mußte in dem beanspruchten Gebiet gegraben werden. Es ergab sich, wie bei früheren Grabungskampagnen, daß der Boden dieser sich zur Lesum vorstreckenden Bergnase für archäologische Untersuchungen schwie- ? Grabungs- rig ist. Durchlaufende Kiesbänder sowie teilwei- fläche auf dem se aberodierte Flächen eines lehmigen Bodens Oeversberg.
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