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Bremer archäologische Blätter / Der Landesarchäologe
Entstehung
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Birgit Scholz Dirk Siebers

Vorbericht zur Untersuchung der Wurt Schwachhauser Heerstraße 176

Wie überall im Bundesgebiet ist auch in Bre­men der durch Bautätigkeit bedingte Schwund von Bodendenkmälern beträchtlich. Im Beson­deren trifft dies für die Würfen zu, jene alten Siedlungshügel, die auch in Bremen bis in die germanische Zeit zurückreichen können. Man kann sie vor allem noch entlang der Wümme, aber auch in Ortsteilen wie Borgfeld oder Huch­ting antreffen. Über die Jahrhunderte hat man sich hierhochgewohnt", hauptsächlich wegen der ständigen Hochwassergefahr, die sich bei Sturmfluten von der Nordsee her besonders auswirken konnte. Schon Plinius d. Ä. schrieb in seiner Historia naturalis, Buch 16 von den Jumulos", auf denen der germanische Stamm der Chauken, die man geradezu alsUrbre- mer" bezeichnen könnte, gesessen hätte. Über die Auseinandersetzung des frühen Bremer Gelehrten Joh. Heinrich Eggeling (1639-1713) mit dieser Stelle bei Plinius wurde bereits be­richtet (RECH).

Bis nach dem letzten Krieg waren diese Bremer Würfen noch weitgehend dadurch geschützt, daß auf ihnen Bauernhöfe standen und Land­wirtschaft betrieben wurde. Dies hat sich inzwi­schen gewaltig geändert. Mit dem Aussterben

einer oft letzten Generation von Bauern sterben auch die Höfe und Kotten. Sie fallen dann schnell der Spitzhacke zum Opfer, und mit ih­nen oft auch uralte Eichen, die auf den Würfen stehen. Oft sind es dann die Erben, die nicht schnell genug die Grundstücke an Investoren verkaufen können, die größere und kleinere Wohnhäuser dergehobenen" Art darauf errichten. Selbst in dem einigermaßen idylli­schen Borgfeld, für das E. Grohne noch kurz vor dem letzten Krieg zahlreiche Wurten be­schrieb, in denen er auch kleinere Untersu­chungen durchführte (GROHNE, 15 ff.), ist die Hälfte der damals genannten Wurten inzwi­schen verschwunden.

Im Ortsteil Schwachhausen traf es nun die letz­te dort noch vorhandene alte Wurt des Orts­kernes, auf dem Grundstück Schwachhauser Heerstr. 176 gelegen (Abb. 1). Alle benachbar­ten Wurten waren bereits vor und nach dem letzten Krieg überbaut bzw. eingeebnet worden. Zur Vorgeschichte der Wurtgrabung Das Schicksal der Wurt hätte noch entschei­dend zu ihren Gunsten beeinflußt werden kön­nen, wenn mehrere Faktoren nicht zusammen­gefallen wären. 1986 war die für die Dienststelle

1 Wurt

Schwachhau­ser Heerstraße 176 im Frühjahr 1993.

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