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Bremer archäologische Blätter / Der Landesarchäologe
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Dieter Ortlam Michael Wesemann

Die Balge als Hauptstrom der Werra/Weser? Neue Erkenntnisse zur Flußgeschichte durch den Fund der Schlachte-Kogge

Der 14 m tiefe (= -4,00 m NN) Kanalbau- und Bergungsschacht an der Schlachte hätte im Frühjahr 1991 die einmalige Gelegenheit gebo­ten, großflächige und sehr tiefreichende Profile von der Gegenwart bis in die Kaltzeiten hinein zu beschreiben. Leider war dies praktisch nicht möglich: das Bautempo des ehemaligen Am­tes für Stadtentwässerung und Abfallwirtschaft Bremen (heute: Bremer Entsorgungsbetriebe) ließ dergleichen nicht zu. Immerhin liegen die Bohrprotokolle für die Verbaupfeiler vor, die allerdings recht grob sind. Zusammen mit den detaillierten Beobachtungen während des Schacht-Abteufens durch C. C. von Fick ergibt sich aber dennoch ein recht gutes Gesamtbild vom Schichtenaufbau bis in 19 m Tiefe unter Ge­lände. Wir können das Bild unter Heranziehung weiterer Ergebnisse des Nieders. Landesamtes f. Bodenforschung, Außenstelle Bremen, noch bis in 34,5 mu. Gelände ergänzen (Abb. 1). Während und direkt nach der Schiffsbergung konnten drei kleine Profile angelegt werdende­ren genaue Dokumentation viele Informationen erbrachte (vgl. Abb. 2, S. 38). Das Profil P1 wurde flußaufwärts vom Heck in ca. 1 m Distanz zu diesem angelegt, um die durch das Wrack nicht gestörte Sedimentation beob­achten zu können. Es stellte sich aber heraus, daß in dieser kurzen Entfernung zum Heck die Strömungs- und Sedimentationsverhältnisse doch beeinflußt waren. Das Profil ging leider durch einen Wassereinbruch (Pumpenausfall) verloren. Etwa 0,5 m weiter flußaufwärts wurde daher ein neues Profil (P 2) angelegt.

(8). Im rechten bzw. südwestlichen Teil des Pro­fils wird diese Abfolge fast bis an den Profilfuß (etwa 45 cm tief) durch eine Rinne gestört (5 in Abb. 2), die durch das Strömungshindernis ent­stand, welches das Wrack bildete. Die Ursache für diese Erosion war durch erhöhte Fließge­schwindigkeit bedingt,die zum Abtransport auch größererTeilchenfraktionen und damit zur Aus­räumung der Sedimente vordem Schiff führte. Die Rinne hat sich danach wieder mit schwach kiesigen, geschichteten Mittelsanden aufgefüllt. Die grobsandig-kiesige Lage schließt diese Rin­ne nach oben hin ab. Diese obere Schicht (3) zeigt eine Phase mit völlig veränderten Fließver­hältnissen und stärkerer Strömung an. Vermut­lich handelt es sich um den Rest einer nicht mehr ganz durch nachfolgende Hochwässer ausgeräumten Hochwassersedimentation.

Die darunter liegende Torfschlicklinse (4) be­steht aus mehr oder weniger stark abgerunde­ten organischen Schwemmsein,die in ca. 30% Schiuffmatrix eingebettet sind. Deren Haupt­masse bilden Pflanzenreste der Weich- und Hartholzaue und der Uferröhrichte, aber auch verschiedene Abfälle bzw. Makroreste von Nutz­pflanzen sind darin enthalten. So wurden schon bei der Anlage des Profils öfters Kirschkerne (Prunus avium),Walnußschalen (Juglans regia) und Haselnußschalen (Corylus avellana) ge­funden. Umfangreiche ungestörte und ge­schlämmte Proben werden über die genaue Zusammensetzung Auskunft geben (in Bear­beitung).

Im linken bzw. nordöstlichen Teil des Profils (P2) liegt eine bis 12 cm dicke, durch Verbau- und Grabungsaktivitäten gestörte Schicht über den Wesersanden (schräg schraffierte Zone 2 in Abb. 2). Darunter folgt eine 5 bis 15 cm starke grobsandig-kiesige Lage (3 in Abb. 2), unter der ganz im Nordosten geschichtete Fein-bis Mittel­sande, in der Mitte aber direkt anschließend eine bis 12 cm mächtige konkav-konvexe Torf­schlicklinse liegt (4 in Abb.2).Darunterfolgteine bis 17 cm dicke Schicht etwas gröber geschich­teter Mittelsande, die auf einem dünnen, nur knapp 1 bis 3 cm umfassenden feinsandig- schluffigen Band aufliegt (7in Abb.3).Zuletztfol­gen wieder geschichtete Fein- bis Mittelsande

Die Torf-Schlick-Linse (4) wird rechts bzw. auf ihrer Südwestseite durch die o. g. Rinne (5) ge­kappt. Auf ihrer linken bzw. nordöstlichen Seite dagegen deutet die Überschichtung der Linse und ihre Verzahnung mit geschichteten Fein- sanden auf eine Sedimentation dieser Linse hin. Möglicherweise handelt es sich hier um ei­ne bei Sommerniedrigwasser trockenfallende, temporäre Uferzone, vielleicht von einer Sand- Schlickbank im Strombett, wie sie heute noch an einigen Stellen z. B. in Wümme und Lesum beobachtet werden können.

Die unter der Linse liegenden geschichteten Fein- und Mittelsande (6) erscheinen als nor-

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