Manfred Rech
In eigener Sache: Gewinne und Verluste.
In dem Berichtszeitraum, der ungefähr die Zeitspanne von Beginn 1992 bis Juli 1993 umfaßt, machte sich wieder schmerzlich die geringe Zahl der Mitarbeiter in der Dienststelle des Landesarchäologen bemerkbar. Hier ist es nicht nur das Fehlen einer Sekretärin/Bürokraft, sondern hauptsächlich die Streichung der Stelle des Sachgebietsleiters „Archäologische Landesaufnahme und Denkmalschutz" —früher zugleich Vertreter des Dienststellenleiters—.welche sich in der täglichen Arbeit des Amtes negativ auswirkt.
Hier muß einmal grundsätzlich festgestellt werden, daß Aufgabe der Dienststelle nicht die Hinnahme und Dokumentation von Denkmalzerstörungen ist, sondern, wie es auch dem Geist des Bremer Denkmalschutzgesetzes von 1975 und seiner letzten Novellierung vom 13.6.89 entspricht, der Schutz von Denkmälern Vorrang hat. Auch amtliche Grabungen zerstören nun einmal ein Bodendenkmal. Ganz abgesehen davon, daß die daraus entstehenden Kosten in der Regel dem Steuerzahler aufgebürdet werden, ist das Fehlen eines Sachbearbeiters für den präventiven Denkmalschutz, also vor allem weitere Unterschutzstellung von Bodendenkmälern und ausführliche Stellungnahmen zu Bebauungsplänen, die in der Regel von Geländeuntersuchungen, wie Bohrungen, untermauert sein müßten, um im Streitfall Relevanz zu entwickeln, eine unabdingbare Voraussetzung für die Arbeit eines jeden Bodendenkmalamtes in der Bundesrepublik. Wie sich Defizite hier verheerend auswirken können, zeigt sich gerade aktuell in Bremen, indem Wurten, die vor Jahren noch als völlig ungefährdet eingestuft wurden, etwa in Borgfeld oder Oberneuland, in zunehmendem Maße flächig bebaut werden. Diese schon im letzten Heft der „Bremer Archäologischen Blätter" aufgezeigte Tendenz hat sich im Berichtszeitraum fortgesetzt. Hintergrund ist einmal die starke Abnahme von Flächen im Lande Bremen, die für eine Wohnbebauung geeignet sind, in Verbindung mit der Tatsache, daß Bauernhöfe und Kotten, die bis vor kurzem in Bremen noch zahlreich auf den Wurten standen, nach dem Ableben der letzten Bewohner von den nachfolgenden Generationen zum Abriß freigegeben werden; unter Denkmalschutz gestellt sind diese Gebäude kaum einmal. Die Fol
ge istfürdasdarunterliegende Bodendenkmal, die Wurt, eine aktuelle Gefährdung durch Neubebauung. Auch die Wurt ist in vielen Fällen nicht als Denkmal unter Schutz gestellt. Handfeste Streitfälle mit ungewissem Ausgang, will man die Wurt durch vorläufige Unterschutzstellung nach§8,Abs.1 BremerDschG in „letzter Minute" doch noch retten, sind vorprogrammiert. Unangenehm für etwaige Investoren kann dann sein, daß zu diesem Zeitpunkt oft bereits erhebliche finanzielle Vorleistungen erbracht wurden. Schon deshalb ist es unbedingt notwendig, daß der Gesetzgeber dem Landesarchäologen die Instrumente wiederschafft, um auch für den Bürger eine höchstmögliche Rechtssicherheit zu erreichen. Der Hinweis auf die schlechte Finanzlage des Landes kann hier nicht greifen, hat die Fachbehörde doch einen gesetzlichen Auftrag zu erfüllen.
Was nun die nach außen sichtbare Tätigkeit des Landesarchäologen im Berichtszeitraum angeht, so ist an erster Stelle die Untersuchung und Bergung des Heckteils einer inzwischen auf etwa 1100 n. Chr. datierten Kogge an der Schlachte zu nennen. Ohne die fachliche Unterstützung der Kollegen des Deutschen Schifffahrtsmuseums („DSM") in Bremerhaven — Dr. Per Hoffmann und Prof. Dr. D. Ellmers - und ohne die hartnäckige Fahndung des Mitarbeiterstabes der Kulturbehörde nach Geld, um die für Bremer Verhältnisse doch immensen Grabungskosten aufzubringen, hier wohl vor allem Senatsrat D. Opperzu nennen, wäre das Unternehmen nicht zustande gekommen. Den beiden Institutionen, die sich schließlich bereit erklärten, die Hauptkosten von fast 600 000 DM zu übernehmen, nämlich der Senator für das Bauwesen und die Stiftung „Wohnliche Stadt", sei nochmals bestens gedankt. Die Ergebnisse dieser Unternehmung, die auch in Fachkreisen starke Beachtung gefunden haben, rechtfertigen sicherdie hohen Kosten, vor allem vordem Hintergrund Bremens als bereits im 12. Jh. erfolgreiche Handelsstadt mit weitreichenden Beziehungen über See, wie etwa zum Stalhof in London.
Das Fachamt in Anspruch genommen haben auch wieder die Grabungen in der germanischen Siedlung von Habenhausen und in der
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