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Bremen und seine Bauten / bearb. und hrsg. vom Architekten- und Ingenieur-Verein
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VI. Teil. Die Weser und ihre Seehäfen.

Regierung mit einem Kostenaufwande von 7*/s Millionen Mark geschaffen. Er ist als offener Hafen gebaut und mit sämtlichen für den Fischhandel erforderlichen Baulichkeiten in äufserst zweck­entsprechender Anordnung ausgestattet.

Das Hafenbassin, welches durch Deiche vor Seegang geschützt ist, hat eine Länge von 1200 m, eine Sohlenbreite von 60 m, eine Sohlentiefe von 4,4 m unter mittlerem Niedrigwasser und ist an einer Seite mit hölzerner Bollwerkkonstruktion eingefafst.

Dicht am Kajenbollwerk liegt eine ursprünglich 452 m lange, neuerdings vergröfserte Fisch­auktionshalle, an welche direkt die Geschäftsräume der einzelnen Fischversandgeschäfte stofsen und hinter der sich eine Reihe Eishäuser befindet.

Kohlenlager, Fischräuchereien, Versandbahnhof, Post- und Telegraphenamt, eine Eisfabrik, ein Patentslip zur Ausbesserung der Fischdainpfer und anderes mehr vervollständigen die Anlage.

Geestemünde hat lange Zeit nur in Abhängigkeit vom bremischen Handel gelebt, in neuerer Zeit jedoch hat es begonnen, sich auch selbständig zu entwickeln.

Aufser verschiedenen industriellen Unternehmungen blüht ein nicht unbedeutender Holzhandel und neben diesem schreitet, dank der von der preufsischen Regierung ihm gewidmeten Fürsorge, der Geestemünder Fischhandel, an dem allerdings auch nichtgeestemünder Kapital grofsen Anteil hat, immer weiter und weiter fort.

Die oldenburgischen Weserhäfen Elsfleth, Brake, Nordenham.

Von H. BÜCKING.

Elsfleth.

Elsfleth, etwas oberhalb der Einmündung der Hunte in die Weser an der Hunte liegend, war bis zur Mitte dieses Jahrhunderts der Sitz bedeutender Rhedereien. Wenn auch tiefergehende Seeschiffe den Platz Elsfleth nur ausnahmsweise erreichen konnten, so wurden doch, solange der Holzschiff bau blühte, hier zahlreiche Seeschiffe erbaut, die der Elsflether Rhederei dienten. Bei Anlage der Eisenbahn HudeNordenham, die oberhalb Elsfleth mittels einer Drehbrücke über die Hunte geführt ist, wurde am Bahnhofe Elsfleth eine massive Kaimauer an der Hunte errichtet, um Seeschiffen Gelegenheit zum Anlegen zu geben. Auch wurde ein kleiner, durch eine Dockschleuse abgeschlossener Hafen angelegt. Diese Hafenanstalten sind jedoch nie in bemerkenswertem Umfange benutzt worden, besonders wohl deshalb, weil die Hafenanlagen vor der Weserkorrektion von Schiffen mit gröfserem Tiefgange als 5 m nicht aufgesucht werden konnten und die weiter stromab belegenen oldenburgischen Häfen Brake und Nordenham, nachdem dieselben Eisenbahnverbindung erhalten hatten, den Seeschiffsverkehr durch ihre bessere Lage und besseren Einrichtungen mehr und mehr an sich zogen. Die mit der Weserkorrektion auch für die Fahrwasserverhältnisse der Hunte bei Elsfleth eingetretenen Verbesserungen werden jetzt durch eine oldenburgische Herings­fischerei ausgenutzt, die ihre Anlagen an der Hunte in unmittelbarer Nähe Elsfleths errichtet hat. Diese Gesellschaft, die im Aufschwünge begriffen ist, besitzt jetzt 10 Heringslogger, sie hat im Jahre 1897 mit 4 Loggern begonnen. Das Fangergebnis betrug:

1897: 3 139 Kantjes Seepackung = 2434 Tonnen,

1898: 12 115 ji = 9350

1899: 5 572V2 » = 4387

Brake.

Bevor Hafenanlagen in Bremerhaven und Geestemünde bestanden, also in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts, hatte Brake einen sich auf seiner guten und geschützten Rhede abspielenden regen Verkehr zwischen See- und Flufsschiff. Eigentliche Hafenanstalten waren nicht vorhanden, wenn man nicht das erweiterte Aufsentief des Braker Sieles, in dem kleinere Schiffe loschen und laden konnten, dazu rechnen will. Durch die Bremerhavener Anlagen wurden die Schiffahrts­verhältnisse jedoch für Brake ungünstig beeinflufst, so dafs die oldenburgische Staatsregierung die Anlage eines Dockhafens ins Auge fafste, um dem Seeverkehr auch in Brake ähnliche Vorteile und Bequemlichkeiten, wie sie für denselben in Bremerhaven vorhanden waren, bieten zu können. Im Jahre 1858 wurde mit der Erbauung des Dockhafens bei Brake begonnen und zwar, nachdem im Jahre 1856 eine Verlegung des Braker Sieles nach unten, unter Bewilligung eines Staatszuschusses von 75 000 Mk., stattgefunden bat.

Die lichte Weite der Schleuse beträgt 13,3 m, der Drempel liegt so tief, dafs Schiffe mit 5,5 m Tiefgang dieselbe bei Hochwasser durchfahren können. Die mit der oldenburgischen Staats­bahn in Verbindung stehenden Ufermauern sind mit fahrbaren Dampfkrähnen ausgerüstet. Die Kosten für die erste Anlage des Hafens mit Schleuse haben s. Z. rund 690 000 Mk. betragen. Das bereits im Jahre 1849 zur Reparatur der zur deutschen Flotte gehörenden DampfFregatte Erzherzog Johann" provisorisch angelegte Trockendock, das jedoch 1851 durch Umdeichung wieder geschlossen worden war, wurde später ausgebaut und vom Hafen aus zugänglich gemacht. Jetzt befindet sich das Trockendock, in dem Schiffe von 100 m Länge Platz finden, im Besitze