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Bremen und seine Bauten / bearb. und hrsg. vom Architekten- und Ingenieur-Verein
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VI. Teil. Die Weser und ihre Seehäfen.

Augenblicklich wird eine Verbreiterung des Woltmershauser Kanals um 20 m ausgeführt, so dafs der Kanal in der Höhe von Br. N. eine Breite von 56 m erhält. Ferner werden die an der linken (Woltmershauser) Seite des Kanals liegenden Lagerplätze für Holz und andere Waren mit Geleis­verbindung verschen und eine neue Krahnanlage zum Löschen von Kohlen für die in Woltmershausen erbaute neue Gasanstalt, sowie für andere Waren errichtet.

Der Weserbahnhof.

Der Weserbahnhof wurde 1855 am unteren Ende der Altstadt zur Verbindung der Eisenbahn mit der Weser teils auf Wescrvorland, teils auf einem zugeschütteten Festungsgraben erbaut. An der Weser hat er eine Länge von 490 in. Am oberen Teil steht ein grofses, viergeschossiges, 75 m langes und 34 m tiefes Niederlagsgebäudc; an dieses schliefsen sich fünf anein­ander grenzende Güterschuppen an, so dafs bis auf 41 m Uferlänge zwischen dem Niederlagsgebäude und der Bremen-Oldcnburger Eisenbahnbrücke die ganze, dem Strom zugekehrte Seite des Weserbahnhofs mit Schuppen besetzt ist. Zwischen Niederlagsgebäude und der Eisenbahnbrücke stehen drei Hand- krähne, zwei von je 1500 kg und einer von 24 000 kg Tragfähigkeit, zur Vermittelung des direkten Verkehrs zwischen Schiff und Eisenbahnwaggon. Vor dem Niederlagsgebäude befinden sich drei Krahnböcke, welche durch je einen Gasmotor von 8 PS betrieben werden; es werden Lasten bis zu I500 kg gehoben.

Vor den Schuppen 3 und 4 stehen fünf eiserne Drehkrähnc von je I 500 kg Tragfähigkeit. Diese mit Hand betriebenen Krahne werden vor­wiegend nur zum Absetzen von Gütern benutzt; sie sind deshalb so ein­gerichtet, dafs die unbelastete Krahnkette durch ein nach Absetzen der Last in Wirksamkeit tretendes Gegengewicht ohne Zuthun der Krahnarbeiter wieder aufgezogen wird.

Vor den Schuppen 5 und 6 steht ein Dampfkrahn von 2000 und ein Handkrahn von IOOO kg Tragfähigkeit.

Im Frühjahr 1881 stürzte bei dem aufsergewöhnlich hohen Hochwasser jenes Jahres infolge Unterspülung die vorhandene, auf Pfahlrost fundierte Ufermauer des Weserbahnhofs in etwa halber Länge ein; an ihrer Stelle wurde eine neue auf Betonfundament mit starker Spundwand errichtet.

II. Der Freibezirk zu Bremen.

Von Ed. Suling.

Indem sich im Jahre 1884 Bremen nach Lübecks und Hamburgs Vorgange zum Anschlufs an das Zollgebiet des Deutschen Reiches bereit erklärt hatte, war die Notwendigkeit gegeben, an der Stadt für den unbehinderten Ver­kehr der zollpflichtigen Waren einen gröfseren Freibezirk nebst ent­sprechendem Hafen anzulegen. Die auch im Falle der Ausführung einer Korrektion der Unterweser, deren Fahrwasser bis dahin nur für Schiffe mit einem Tiefgang bis zu 2,75 m genügte, erforderliche Herstellung eines gröfseren