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Bremen und seine Bauten / bearb. und hrsg. vom Architekten- und Ingenieur-Verein
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Lage Bremens zur See und zum Binnenlande.

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Die Kosten der Korrektion beliefen sich bis zum 31. März 1897 auf nahezu 29' I2 Millionen Mark.

Die Korrektion der Aufsenweser.

Im Jahre 1891, nachdem die Unterweser zwischen Bremen und Bremer­haven zum Teil korrigiert war, wurde von den Staaten Preufsen, Oldenburg und Bremen das vom Oberbaudirektor Franzius aufgestellte Projekt einer Verbesserung der Aufsenweser, d. h. der Weserstrecke unterhalb Bremer­haven, zur gemeinschaftlichen Ausführung angenommen. Dasselbe bezweckte zunächst die Beseitigung einer Barre, welche die Folge einer seit etwa 30 Jahren bestehenden, schliefslich etwa 11 km langen Spaltung des Stromes war. Diese Korrektion besteht im wesentlichen in der Anlegung zweier Leit­dämme, wovon zunächst der linksseitige in etwa 7 km Länge in den Jahren 1891 und 1892 ausgeführt wurde. Im Jahre 1893 ist aufserdem am rechten Ufer zwischen den Ortschaften Wremen und Imsum ein Leitdammstück von 1,6 km Länge, durch welches eine übermäfsige Verbreiterung des Stromes beseitigt wird, gebaut worden.

Die günstige Wirkung dieser Werke tritt in der Beseitigung von erheb­lichen Erdmassen deutlich zu Tage. Da bis zum Jahre 1896 nur in ganz geringem Umfange Baggerungen auf der Aufsenweser ausgeführt wurden, sind diese Erdmassenbewegungen lediglich der Strömung zuzuschreiben. Auf einer Strecke von 20 km Länge sind bis 1893, also innerhalb 2 Jahren, über 9 Millionen cbm beseitigt worden. Hiervon hatten allerdings 3 600 OOO cbm nur ihren Platz gewechselt. In dem einen Jahre 1893 bis 1894 hatte der Strom auf der nämlichen Strecke nahezu 8 Millionen cbm beseitigt, wovon nur 260000 cbm ihren Platz gewechselt hatten. Bei diesen aufserordentlichen Bodenverschiebungen war es unvermeidlich, dafs einzelne Ablagerungen die Fahrwasserverhältnisse verschlechterten. Um nun zu verhindern, dafs die Zu­gänglichkeit des Hafens zu Bremerhaven, namentlich für die tiefgehenden Schnelldampfer, beeinträchtigt werde, wurde im Winter des Jahres 1895/96 ein Seebagger (Saugbagger) beschafft, welcher bisher die Stromthätigkeit in durchaus zufriedenstellender Weise unterstützt hat. Dieser BaggerColumbus" hat eine Maschine von 500 PSi, der Laderaum vermag 860 cbm zu fassen und wird unter günstigen Umständen im Zeitraum von 3 U Stunden gefüllt, so dafs sich die theoretische Leistungsfähigkeit des Baggers auf über 1000 cbm = 2000 t stündlich berechnet. Da der Fall nicht ausgeschlossen ist, dafs plötzlich Verschlechterungen im Fahrwasser zugleich an zwei weit auseinander liegenden Stellen eintreten, oder dafs der eine Bagger wegen Reparatur längere Zeit aufser Betrieb gesetzt werden mufs, ist 1898 ein zweiter Bagger beschafft, dessen Laderaum 1000 cbm aufnimmt und der um 25°/o mehr leistet, als derColumbus".

Unterhalb Wremen erfährt die Weser eine weitere Spaltung durch die sogenannte Robbenplatc. Der rechtsseitige Stromarm ist derjenige, welcher vermöge seiner gröfse.ren Tiefen die Schiffahrt aufnimmt. Infolge der durch die Robbenplate verursachten Stromspaltung und einer seitlichen Abzweigung