Druckschrift 
Bremen und seine Bauten / bearb. und hrsg. vom Architekten- und Ingenieur-Verein
Entstehung
Seite
704
Einzelbild herunterladen
 

704

VI. Teil. Die Weser und ihre Seehäfen.

mit Hannover den Vertrag über die Anlage eines Hafens an der Geeste­mündung ab, welcher Bremen endlich wieder in den Besitz eines eigenen Seehafens setzte und die Gefahr beseitigte, dafs den begreiflichen Anstrengungen Oldenburgs entsprechend derPort of Bremen" aus den Schiffskonnossementen und Schiffslisten verschwinden möchte. Nach dreijähriger Arbeit wurde im Jahre 1830 das erste Hafenbecken zu Bremerhaven dem Verkehre übergeben, dem seither, namentlich infolge der wachsenden Bedürfnisse der transatlantischen Dampfschiffahrt, zwei gröfsere Becken haben hinzugefügt werden müssen.

Die Korrektion der Unterweser.

Mit Unterweser wird die Weserstrecke zwischen Bremen und Bremer­haven bezeichnet, diese hat eine Länge von 68 km, derjenige Teil des Mündungsgebietes, der sich an die Unterweser anschliefst und bis zum offenen Meere erstreckt, hat eine Länge von 59 km und heifst die Aufsenweser. Das Zuflufsgebiet der beiden letzten Strecken hat eine Ausdehnung von 120 Quadratmeilen. Die Wasserflächen des ganzen Stromes nehmen von oben nach unten sehr stark zu, während auf die Oberweser, trotz ihrer im Vergleich zu den anderen Strecken viel gröfseren Länge, 3300 ha entfallen, sind auf die Unterweser 6600 ha, auf die Aufsenweser gar 53000 ha zu rechnen. Die Fläche des Flutgebietes überwiegt also um ein beträchtliches die Fläche des oberen Laufes. Das Gefälle der Oberweser, welches, wie schon an anderer Stelle erwähnt ist, auf einigen Stromschnellen bis zu 1 : 300 hinauf­geht, nimmt ab von 1 : 2100 bis auf 1 : 6500. Die Wassermenge, welche die Oberweser dem Flutgebiet pro Stunde zuführt, wechselt zwischen etwa 80100 cbm bei niedrigstem Oberwasserstand bis auf 3150 cbm bei höchstem bisher beobachteten Oberwasserstand. Selbst diese gröfste Oberwassermenge ist gering im Vergleich zu den sekundlichen Wassermengen, die sich durch­schnittlich während einer mittleren Tide in der Mündung oder bei Bremer­haven bewegen, diese betragen 56 000 cbm und 6400 cbm. Die Flutgrenze lag vor der Korrektion etwas oberhalb Bremen. Bei einem mittleren Zuflufs von 150 cbm in der Sekunde betrug die Flutgröfsc vor der Korrektion

in Bremen............................... o m

in Hasenbüren ........................... 0,26 m

in Vegesack.............................. 0,91 m

in Farge................................. 1,95 m

in Brake................................. 3,14 m

in Bremerhaven .......................... 3,30 m.

Die mittlere Flutgröfsc am Leuchtturm Roter Sand, der rund 45 km unterhalb Bremerhaven steht, beträgt 2,68 m und nimmt bis Helgoland bis auf 1,84 m ab.

Vor der Korrektion war das Flufsbett der Unterweser aufserordentlich unregelmäfsig. Auf der 50,4 km langen Strecke von Bremerhaven bis Vegesack war der Strom auf 21,6 km durch Inseln oder bei Ebbe trocken laufende Bänke vollständig gespalten. Die ungünstigsten Erscheinungen trafen in der Strecke von Brake bis Vegesack zusammen. Infolge der hier vorhandenen