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Bremen und seine Bauten / bearb. und hrsg. vom Architekten- und Ingenieur-Verein
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V. Teil. Schiffahrt.

einer Maschinenleistung von 128 PSi wird eine Schiffsgeschwindigkeit von 9 Seemeilen pro Stunde erreicht. Die Cylinderdurchmesser betragen 240 und 460 mm, der Kolbenhub 300 mm.

Die Schiffahrt auf der Unterweser bietet heute trotz des steigenden regen Verkehrs der Schleppzüge, der kleineren Segelfahrzeuge, sowie der bis nach Bremen kommenden grofsen und tiefgehenden Segelschiffe und Dampfer, dank der Korrektion und der vorzüglichen Befeuerung und Betonnung der Unterweser, bedeutend weniger Schwierigkeiten als in früherer Zeit.

Wohlfahrtseinrichtungen für Seeleute.

Anschliefsend an die in den vorstehenden Zeilen auf das bemerkens­werteste beschränkte Schilderung der von Bremen aus betriebenen Schiffahrt seien zum Schlufs die Einrichtungen beschrieben, welche neben den von den einzelnen Rhedereien für ihre Betriebe getroffenen resp. vom Gesetz vor­geschriebenen Mafsnahmen zur Förderung des Wohles der Seeleute in Bremen und Bremerhaven-Geestemünde bestehen. Wenn auch die Deutsche Gesell­schaft zur Rettung Schiffbrüchiger ein nationales Unternehmen ist, ja im Anschlufs an die gleichen Zwecken dienenden Institutionen der übrigen Nationen ein internationales Liebeswerk betreibt, so glaubte ich doch diese edle, überaus wichtige Einrichtung an dieser Stelle nicht übergehen zu dürfen, da der Sitz der Gesellschaft sich in Bremen befindet und der erste Vor­sitzende der Gesellschaft der Konsul H. H. Meier war, welcher dieses Amt seit der Gründung der Gesellschaft im Jahre 1865 bis zu seinem im Jahre 1898 erfolgten Ableben ununterbrochen verwaltet hat.

Die Gesellschaft, welche das gesamte Seerettungswesen an den deutschen Küsten leitet, besafs am i. April 1899 im ganzen 116 Rettungsstationen, 72 an der Ostsee und 44 an der Nordsee. Diese 116 Stationen zerfallen in 51 Doppelstationen, welche mit Rettungsboot und Raketenapparat ausgerüstet sind, 49 Boots- und 16 Raketenstationen; die Herstellung und Vervollkomm­nung dieser Stationen hat einen Kostenaufwand von 1 368 500 Mk. erfordert. Das überaus segensreiche Wirken der Gesellschaft erhellt aus der Zahl der seit der Begründung bis zum 1. April 1899 geretteten Menschenleben; es gelang in 388 Strandungsfällcn 2169 Seeleute durch Rettungsboote und in 75 Strandungsfällen 341 Seeleute von dem sicheren Tode zu retten. Für jedes in den deutschen Küstengewässern aus wirklicher Seegefahr gerettete Menschenleben zahlt die Gesellschaft eine Prämie; in besonderen Fällen und für hervorragende Verdienste um das Rettungswesen verteilt die Gesellschaft Ehrendiplome und goldene, sowie silberne Medaillen. Seit dem Jahre 1892 besteht innerhalb der Gesellschaft dieLaeifs-Stiftung" mit einem Kapital von 112 OOO Mk., dessen Aufkünfte zur Verteilung von Diplomen, Medaillen und Geld für Rettungen auf hoher See, bei denen Offiziere und Mannschaften deutscher Schiffe gerettet haben oder gerettet sind, verwendet werden. Aus dieser Stiftung sind bis zum 1. April 1899 für 670 auf hoher See gerettete Personen 8 grofse goldene, 32 kleine goldene, 46 grofse silberne und 40 kleine