Druckschrift 
Bremen und seine Bauten / bearb. und hrsg. vom Architekten- und Ingenieur-Verein
Entstehung
Seite
684
Einzelbild herunterladen
 

684

V, Teil. Schiffahrt.

Die Räume für die Tonnen und das Fischereigerät sind so eingerichtet, dafs dieselben ohne Schwierigkeiten und Kosten in Eis- und Laderäume für frische Fische umgewandelt werden können.

Die Besatzung eines solchen Dampfers besteht, wenn er zum Heringsfang ausgeht, aus dem Kapitän, dem die Stelle eines Steuermanns versehenden Bestmann, einem Koch, 8 Matrosen, 2 älteren und 2 jüngeren Leichtmatrosen 2 Reepschiefsern und Abholern, 2 Maschinisten und 1 Heizer.

Haben wir oben auf die grofse volkswirtschaftliche Bedeutung der Hoch­seefischerei und der mit ihr verbundenen Betriebe hingewiesen, so sei hier noch der grofse nationale Wert hervorgehoben, welchen die Hochsee­fischerei durch die Heranbildung eines vorzüglichen seemännischen Personals hat, an welchem ein immer gröfser werdender Mangel infolge der Ver­drängung der Segelschiffe durch die Dampfer sich fühlbar macht. Zur Beschaffung unseres Eigenbedarfs an Heringen allein, der auf mindestens 1 1 /a Millionen Fafs anzuschlagen ist, sind annähernd 22500 Fischer nötig; in denselben hätte unsere Kriegsmarine für den Fall einer Mobilmachung jeder Zeit eine zuverlässige Reserve zur Stelle, während die auf grofser Fahrt befindlichen Seeleute der Handelsmarine zum gröfsten Teil fern der deutschen Küste sind.

Schleppschiffahrt und Leichterverkehr.

Während die Seeschiffahrt Bremens sich zu einer bedeutenden Höhe emporgeschwungen hat, fehlt es, wie schon eingangs gezeigt, auf der Oberweser an einer entsprechend entwickelten FJufs- schiffahrt. Darin wird Bremen von den benachbarten grofsen Hafenplätzen Hamburg, Antwerpen, Rotterdam weit übertroffen, die, wie schon hervorgehoben, auf den mächtigen Wasserstrafsen der Elbe, der Scheide und des Rheins mit einem grofsen Hinterlande verbunden sind. Zu einer Ver- gröfserung der Weserschiffahrt, die ihrerseits auf die Seeschiffahrt aufserordentlich hebend einwirken würde, bedarf es in erster Linie einer Vergröfserung des Hinterlandes, da die an der Oberweser belegenen Städte, bis auf Minden, Hameln, Holzminden und Kassel an der Fulda, in Bezug auf Handel und Industrie nur von geringer Bedeutung sind.

Diese Erweiterung des Hinterlandes kann wiederum in der Hauptsache nur durch den Bau des Mittellandkanals geschaffen werden, wenn auch ohne Zweifel eine Hebung des Schiffsverkehrs durch Schaffung von Umschlagsplätzen herbeigeführt werden kann. Doch auch hier ist eine scharfe Grenze gezogen, da für die Heranschaffung der Waren nach den Umschlagsplätzen in erster Linie immer die Eisenbahnen in Frage kommen, welche durch ihre hohen Tarifsätze die Gesamttrans­portkosten sehr erhöhen.

Auf der Oberweser herrscht ein sehr fühlbarer, grofser Mangel an geeigneten Schutzhäfen, in welchen die Fahrzeuge bei eintretendem Eisgange den nötigen Schutz finden können. Dieser Mangel tritt von Jahr zu Jahr mit dem Wachsen der Oberweserflotte stärker zu Tage, so dafs Abhülfe dringend nötig ist. Ferner sind verschiedene Brückenöffnungen sehr schwer zu passieren, so dafs es der ganzen Aufmerksamkeit und Geschicklichkeit der Schiffer bedarf, an diesen Stellen Havarien zu vermeiden.

Die vor einer Reihe von Jahren ins Leben gerufene freie Vereinigung der Weserschiffahrts­interessenten ist zusammen mit den Strombaubehörden und Schiffahrtsgesellschaften bemüht, diese allgemein anerkannten Übelstände zu beheben und Besserung zu schaffen, doch bleibt immer noch sehr viel zu wünschen übrig. Nachdem die meisten älteren Dampfer und Kähne ausgeschieden sind, besteht die Oberweserflotte aus durchweg neuen Kähnen und modernen, leistungsfähigen Schleppdampfern; es ist zu wünschen, dafs besonders im weiteren Hinterlande des Wesergebiets von dieser guten und sicheren Transportgelegenheit noch mehr Gebrauch gemacht wird, wie bis jetzt geschehen ist.

Neben dem Lokalverkehr und dem Schleppen der Baggerprähme wird auf der Oberweser Güterschiffahrt und Eilschiffahrt betrieben. Die Güter­schiffahrt mittels Schleppdampfer und Schleppkahn wird von der Bremer Schleppschiffahrtsgesellschaft, welche über 14 Schleppdampfer und etwa 90 Kähne verfügt, von denen 71 Eigentum der Gesellschaft, die übrigen im Besitz von Privatschiffern sind, der Mindener Schleppschiffahrtsgesellschaft mit