Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft,
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Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft.
Einer der bedeutendsten Einfuhrartikel Bremens ist das Petroleum. Das schon im Altertum bekannte Erdöl ist erst im Jahre 1859 zum Welthandelsprodukt geworden, als es in Amerika nach vielen Bemühungen gelang, das rohe Öl durch Raffination für Beleuchtungszwecke brauchbar zu machen. In schnellem Siegeslauf hat sich das Petroleum bei allen Völkern und in allen Gesellschaftskreisen Eingang verschafft und ist zum unentbehrlichen Beleuchtungsmittel geworden. Diese rasche und allgemeine Verbreitung des Petroleums ist durch das energische Eingreifen einiger kapitalkräftiger amerikanischer Unternehmer veranlafst, welche sich dadurch in den Besitz unermefslicher Reichtümer gesetzt haben. Gerade bei einem Artikel wie Petroleum arbeiten kleine Betriebe unvorteilhaft, können dieselben die Chancen des Weltverkehrs nicht ausnutzen; deshalb stiegen Produktion, Export und Konsum erst von dem Zeitpunkt an in raschem Fortschritt zu ungeahnter Höhe, als die amerikanischen Raffineure sich in der „Standard Oil Company" zu einem korporativen Verbände vereinigten, wodurch sie in den Stand gesetzt wurden, alle wirtschaftlichen und technischen Vorteile auszunutzen und dadurch das Petroleum zu einem geringeren Preise auf den Markt zu bringen.
Der Preis für 100 kg amerikanisches Petroleum betrug 1866: 59,64 Mk. und 1899: 14,31 Mk. Seit 1895 erhebt das Deutsche Reich einen Zoll von 7,50 Mk. auf 100 kg Petroleum (Netto) und von 10,— Mk. auf 100 kg Schmieröl; hierdurch ist dem Reiche im Jahre 1899 eine Zolleinnahme von 67,7 Millionen Mark zugeflossen. Wenn auch infolge des niedrigen Petroleumpreises dieser Aufschlag den Konsumenten weniger fühlbar geworden ist, so hat derselbe doch auf den Konsum hemmend eingewirkt. Eine Steigerung des Konsums würde ohne Frage eintreten, wenn das Petroleum, welches nicht für Beleuchtungszwecke verwandt wird, von diesem Zoll befreit würde, da dann die kleine Industrie und die Landwirtschaft den Petroleummotorbetrieb in weit höherem Mafse als bisher ausnutzen könnte. Der Petroleumverbrauch des Deutschen Reiches betrug in den Jahren 1866—1870 durchschnittlich 704360 Centner Brutto, im Jahre 1899 9138972 Centner Brutto. Der Leuchtölkonsum war pro Kopf der Bevölkerung im Jahre 1870: 1,87 kg, im Jahre 1898 : 17,23 kg. Trotzdem die Produktion von deutschem Erdöl im Steigen begriffen ist, hält sich dieselbe immer noch in solchen Grenzen, dafs die Einfuhr fremden Petroleums noch fortwährend steigt; von dem nach Deutschland importierten Ol wird nur ein geringes Quantum wieder exportiert. Im Jahre 1884 betrug die Petroleumeinfuhr 4625450 Centner im Werte von 69918000 Mk., die Ausfuhr 3130 Centner; im Jahre 1899: 9461 570 Centner im Werte von 65200000 Mk., die Ausfuhr 47723 Centner.
Von Bedeutung wurde der Petroleumimport nach dem Kontinent im Jahre 1864, als Bremen und Antwerpen als erste sich des Geschäftes bemächtigten. Anfänglich waren die gröfsten Schwierigkeiten zu überwinden, da man die Feuersgefährlichkeit des Petroleums aufserordentlich fürchtete. Die Seeassekuranz war häufig kaum zu decken, die Rheder wollten auf ihren Segelschiffen kein Petroleum fahren; eben so sehr fürchtete man die