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Bremen und seine Bauten / bearb. und hrsg. vom Architekten- und Ingenieur-Verein
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V. Teil. Schiffahrt.

Die Zeit dürfte nicht mehr fern liegen, wo die grofsen Passagierdampfer des Lloyd auch auf See mittels drahtloser Telegraphie miteinander in Verbindung treten können.

Die Erwägung, dafs die in den Reichsprüfungen geforderten theoretischen Kenntnisse der See­maschinisten nicht mit der Entwickelung der überaus komplizierten zahlreichen maschinellen Ein­richtungen an Bord der modernen grofsen Dampfer gleichen Schritt gehalten haben, hat die Direktion des Lloyd in Anbetracht der höheren Anforderungen, welche an das Wissen und Können der heutigen Seemaschinisten gestellt werden müssen, bewogen, die Besetzung der höheren Maschinistenstellen von dem weiteren Besuch einer technischen Lehranstalt abhängig zu machen, welche in ihrem Lehrplan auf die eigentümlichen Bedürfnisse des Schiffsdienstes Rücksicht nimmt. Dieser Absicht des Lloyd ist der Bremische Staat durch die Gründung eines Obermaschinistenkursus entgegengekommen, welcher der Seemaschinistenschule des Bremer Technikum angegliedert ist. Die Stellen der Obermaschinisten an Bord der transatlantischen Dampfer werden nur noch mit Maschinisten besetzt, welche die am Schlufs des Obermaschinistenkursus jährlich stattfindende Prüfung bestanden haben ; dieselben führen den Titel Ingenieur.

Der immer fühlbarer werdende Mangel an geeigneten jüngeren Offizieren hat den Lloyd veranlafst, ein Kadetten-Schulschiff seiner Elotte einzufügen (Eig. 528), auf welchem jungen Leuten mit besserer Schulbildung unter Vermeidung von Arbeiten untergeordneter Art, soweit sie für die seemännische Ausbildung nicht erforderlich erscheinen, eine gründliche theoretische und praktische Ausbildung zu Teil werden soll. Zu diesem Zweck ist die Rickmerssche ViermastbarkAlbert Rjickiners 0 angekauft und als Schulschiff umgebaut. Das Schulschiff steht unter dem Protektorat des Orofshetzogs von Oldenburg und führt jetzt den NamenHerzogin Sophie Charlotte''.

Wir sind am L\ndc unserer Betrachtung des Norddeutschen Lloyd und wollen mit den Worten schliefsen, welche Seine Königliche Hoheit der Prinz Heinrich von Prcufsen bei seinem Besuch in Bremerhaven am 26. Mai 1900 in Erwiderung auf die Begrüfsungsrede des Präsidenten des Lloyd, Herrn Geo. Plate, aussprach:Die goldene Brücke, die der Lloyd über den Occan gespannt hat, ist eine feste Brücke für das Deutschtum, für deutsche Civilisation und für das deutsche Ansehen auf dem grofsen Meere. Möge es immer so bleiben, das walte Gott!"

Dampfschiffahrts-Gesellschaft Hansa".

Nach dieser Schilderung des Norddeutschen Lloyd wenden wir uns der Deutschen Dampfschiffahrts-Gesellschaft Hansa, Bremen" zu, deren Dampfer nur dem .Frachtverkehr dienen. Die Gesellschaft wurde unter dem Vorsitze von Chr. Papendieck, dessen gemeinnützigem, segensreichen Walten man in Bremen auf so vielen Gebieten begegnet, im Jahre 1881 durch eine Reihe Bremer und Bremerhavener Firmen gegründet, um in erster Linie Bremens Verkehr mit dem Osten, sowie mit dem Mittelmeer und mit Rufsland zu heben. Vor dem erwähnten Zeitpunkt bestanden nur sehr mangelhafte Ver­bindungen mit diesen Gebieten; durch die Errichtung regelmäfsiger Linien glaubte man einerseits Bremens Stellung als Welthandelsstadt zu fördern, andererseits ein Institut zu schaffen, welches guten Gewinn versprach.

Schon gegen Ende des Jahres 1882 konnte die Gesellschaft, deren Grundkapital von 3 Millionen Mark in wenigen Monaten auf 5 Millionen Mark erhöht wurde, regelmäfsige Fahrten nach dem Mittelmeer und Rufsland auf­nehmen, sowie einige gröfsere Dampfer nach dem Osten entsenden. Das erste Geschäftsjahr erwies sich als ein günstiges, dem leider infolge der sehr gesunkenen Frachten und übergrofsen Konkurrenz schwere Zeiten folgten, so dafs im Jahre 1885 das Aktienkapital wieder von 5 Millionen Mark auf 3 Millionen Mark reduziert werden mufste. Die Geschäftslage besserte sich in den nächsten Jahren, doch sah sich die Gesellschaft im Jahre 1887 genötigt, die mit grofsen Opfern aufgebaute und unterhaltene Italienische Linie auf-