Kanalisation.
Von R. Graepel und M. Fischer.
Bis zum Jahre 1834 entwässerte die Altstadt nur oberirdisch, und zwar gelangten die Abwässer durch Rinnen, die in der Mitte oder zu beiden Seiten der Strafse lagen, direkt oder mittels offener Gräben in die Weser.
Die staatsseitig erfolgte Übernahme der strafsenbaulichen Arbeiten im Jahre 1834 gab Veranlassung, auch die Abwässerungsverhältnissc zu verbessern, indem man die Rinnen und Abzugsgräben allmählich durch unterirdische Kanäle ersetzte, mit denen bis Ende der fünfziger Jahre alle Strafsen von einiger Bedeutung ausgestattet wurden. Die gröfseren Kanäle waren aus Platten zusammengesetzt, während zur Abführung kleinerer Wassermengen mit Platten abgedeckte oder aufeinandergelegte Rinnen aus Sandstein von nahezu halbkreisförmigem Querschnitte dienten. Später stellte man kreisrunde Kanäle in Cementmauerwerk her, der hierbei verwendete Romancemcnt konnte jedoch den Einwirkungen der Schmutzwässer auf die Dauer nicht widerstehen. Erst nach Einführung des Portlandcementes im Jahre 1862 vermochten die gemauerten Kanäle den gestellten Anforderungen zu genügen. Auch Cementröhren wurden angefertigt, welche schliefslich für alle Kanäle bis zu 2' bremisch = 0,58 m Durchmesser zur Verwendung kamen. Diese Röhren wurden ohne Muffen stumpf gegeneinander gestofsen und die Fugen mit Thon oder Cementmörtel gedichtet, was indessen meist unvollkommen geschah. Dies hatte bald das Eindringen des gröfstenteils sandigen Bodens zur Folge, wodurch Verstopfungen der Kanäle herbeigeführt wurden, während umgekehrt die Abwässer in den Boden eindrangen und ihn verunreinigten.
Ganz besondere Nachteile der bis gegen Ende der sechziger Jahre hergestellten Kanäle waren die geringe Tiefenlage, die unzulänglichen Gefäll-