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II. Teil. Bremen im XIX. Jahrhundert.
Denkmäler und Brunnen.
Von Dr. K. SCHAEFEK.
Es war für Breinen ein glückliches Zusammentreffen, dafs die Stadt zu einer Zeit, wo die Bildhauerkunst noch erst in den Händen ganz weniger Meister eine mehr als handwerksmäfsige Pflege fand, einen Mann zu ihren Söhnen zählen durfte, wie Karl Steinhäuser. Sein Vater war als Bildschnitzer eingewandert, hatte Beziehungen zu Thorwaldsens Familie, war viel gereist und offenbar von künstlerischem Eifer. In seinem stattlichen Wohnhaus in der Sögestrafse betrieb er eine Spiegelrahmen-Fabrikation, deren Erzeugnisse im Geschmack des Empire in einer grofsen Zahl bremischer Häuser noch in Ehren gehalten werden. Der Sohn, 1813 geboren, kam schon mit 18 Jahren in Rauchs Werkstatt nach Berlin und siedelte, damals schon ein Meister von Ruf, im Herbst 1835 nach Rom über, wo er dauernd Aufenthalt nahm, bis der Grofsherzog von Baden ihn 1863 als Professor an die Karlsruher Kunstschule berief, wo er 1879 verstarb. Steinhäusers Arbeiten sind in Familienbesitz, in der Kunsthalle, auf den Friedhöfen unserer Stadt noch sehr zahlreich erhalten; für die Öffentlichkeit hat er eine Anzahl der wichtigsten und künstlerisch wertvollsten Denkmäler geschaffen, die heute einen unentbehrlichen Teil der modernen Stadtphysiognomie ausmachen und zum mindesten vornehme Gröfse und Eigenart vor den Dutzenddenkmälern der neuesten Periode plastischer Überproduktion voraus haben. Eben Realist genug, um ein tüchtiges Bildnis zu schaffen, war Steinhäuser ein Kunstgenosse Rauchs und ein Kind seiner Zeit des Nazarenertums und der Romantik. Die schlichte Schönheit und die stille Gröfse der Antike bestanden noch als einzige Richtschnur zu Recht; weder der verführerische Effekt der virtuosen Barockkunst, noch der herbe Naturalismus unserer Wirklichkeitsdarstellung hatten dem Glaubensbekenntnis des Künstlers Anfechtungen bereitet.
Als Geschenk eines Vereins, der sich zu diesem Zwecke gebildet hatte, wurde 1850 Steinhäusers erstes Denkmalswerk, die Olbersstatue, auf der alten Wallbastion neben dem Osterthore aufgestellt. Von höchst glücklichen Gröfsenverhältnissen wirkt die weifse Marmorstatue mit ihrem niedrigen würfelförmigen Sockel im Rahmen ihrer anmutigen landschaftlichen Umgebung trotz des etwas theatralisch drapierten Mantels als ein würdig und vornehm gehaltenes Kunstwerk; die empireartig streng behandelten Reliefbilder aus der Thätigkeit des berühmten Astronomen und Arztes sind ebenso glücklich im Mafstab, wie in der Verteilung der Massen und der Linienführung der schön bewegten Körperumrisse.
Johann Smidt, dem Gründer von Bremerhaven, der über 25 Jahre als Bürgermeister die Geschicke seiner Vaterstadt mit diplomatisch sicherem
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