Wohlfahrtsanstalten und Stifte.
Von Dr. Schaefer.
Wenn wir in irgend einem Gebiete Veranlassung haben, die gute alte Zeit um eine soziale Einrichtung zu bewundern, dann ist es die der öffentlichen Wohlthätigkeit. Sowohl die des Mittelalters, als Armen- und Krankenpflege noch ein schönes Privileg der Klöster und Orden waren, als auch die von der Reformation in Bremen mit neuem Eifer angegriffene Wohlthätigkeit in den Armen-, Kranken-, Witwen- und Waisenhäusern war schon vor dem 19. Jahrhundert zu einem sozialen Faktor von hoher Bedeutung entwickelt. Pilgerherbergen und Siechenhäuser, anfangs meist vor den Thoren der Stadt gelegen, dann das Heilige Geist-Spital der Deutschherren, das St. Jürgen-Gasthaus an der Hutfilterstrafse, das Gertruden- Gasthaus (Dornkiste = Thorenhaus vom Volke genannt), die allenthalben in der Stadt zerstreuten halbklösterlichen Stifte der Beginen sind darunter die ältesten und bekanntesten Anstalten. Das Reformationsalter setzte andere an ihre Stelle. Als das Leprosenhaus durch das allmähliche Verschwinden des Aussatzes überflüssig geworden war, erbaute man seit 1547 an seiner Stelle neben der Rembertikirche einen Komplex von kleinen Wohnhäusern für alte Leute, aus denen sich mit der Zeit die eigenartigste und originelle Bauform des heute wohlhabenden und ausgedehnten Rembertistiftes ergab: „Pröven" nennt sie das Volk seit alters von den Präbenden, in die man sich, wie in die Wohnungen, einkauft. Noch heute ist dem Stift der Charakter des Komplexes von Einzelwohnungen geblieben; 48 ganze und 43 halbe Häuschen in schlichtestem Putzbau erheben sich auf weitläufigem Baugrund an der Rcmbertistrafse, einen viereckigen Hof umschliefsend. Ein zweites, Bremen eigentümliches und schon früh wohlhabend gewordenes Stift beherbergt das Haus Seefahrt. 1545 gegründet zur Versorgung alter Seefahrer und ihrer Witwen, lag das stattliche Gebäude mit seinem barocken Säulenportal (vergl. Figur 24) 1663 errichtet an der Hutfilterstrafse und erhielt