Fig. 270.
Ansicht des Walls mit dem alten Theater am Osterlhor und dem Zwinger. Nach Stahlstich um 1820.
Theaterbauten.
Von h. Wagner.
Schon lange bevor Bremen ein eigenes Theatcrgcbäudc besafs, hatte es, wenn auch kein ständiges Theater, so doch eine regclmäfsig wiederkehrende Theatertruppe in seinen Mauern gesehen. Die Versuche, ein ständiges Theater zu begründen, scheiterten stets an dem abgeneigten Verhalten der Regierungsbehörde, da immer nur auf Monate die Konzession, hier zu spielen, erteilt wurde. ' Erst im Jahre 1792 erhielt die unter der Direktion Grofsmann stehende Truppe eine auf fünf Jahre währende Erlaubnis, und jetzt mufste man daran denken, da es an einem schicklichen Lokal fehlte, ein eigenes Theatergebäude zu errichten. Es bildete sich eine Gesellschaft, die zu diesem Zweck dem Direktor eine gröfsere Summe zinscnlos zur Verfügung stellte. Innerhalb sechs Wochen war ein Holzgebäudc auf dem Wall am Osterthor errichtet, so dafs die Schauspiele hier beginnen konnten. Nach dem Tode Grofsmanns ging das Gebäude durch Kauf an Hofrat Schütte über. Er zeigte ein reges Interesse für die Weiterentwickelung des Theaterwesens, doch alle Bemühungen, ein ständiges Theater zu schaffen, scheiterten vorläufig noch an der Opposition der Geistlichkeit und der Behörden. Erst im Jahre 1824 wurde diese wandelnde Bühne mit dem offiziellen Namen Bremer Stadttheatcr zu einer ständigen gemacht. Jetzt genügte das alte Gebäude nicht mehr und es wurde zwei Jahre später dcrThcater-Akticn-Verein gegründet, der den Zweck haben sollte, für ein neues Theater die nötigen Mittel zu beschaffen. Als es durch die Bemühungen des Senators Olbers gelungen war, die genügende Anzahl Aktionäre zu erhalten, konnte mit dem Bau begonnen werden. Als Platz wurde die alte Wallbastion vor dem Bischofs- thore gewählt. Die Ausführung lag dem Baumeister Seemann ob, der auch den Plan dazu entworfen hatte.
Bremen und seine Bauten.
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