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Bremen und seine Bauten / bearb. und hrsg. vom Architekten- und Ingenieur-Verein
Entstehung
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Fig. 207. Alter Lüneburger Schafstall ohne Seitenwände.

Das Bauernhaus.

Von Walther Lange.

ls ein einheitliches Gebilde von charakteristischer Eigenart stellt sich das niedersächsische Bauernhans dar, wie es im bremischen Landgebiet und in den benachbarten hannoverschen Landstrichen zwischen Weser und Elbe sich findet; nur ganz selten finden wir Anklänge an die friesische Bauart. Dem Forscher, welcher sich mit dem Wesen des deutschen Bauernhauses be­schäftigt hat, ist es bekannt, dafs der Kern des Bauern­hauses noch heute sich im hohen Norden, in Skandinavien, als selbständige Bauform erhalten hat. Von dieser Urform ist in den Bauern­häusern der Geest und in den Marschen zwischen Weser und Ems und Weser und Elbe keine Spur mehr zu entdecken. Wohl aber finden wir in der Lüneburger Heide in Form von Schafställen Bauwerke, die äufserlich den Zusammenhang mit dem Zelt unserer Altvordern verraten. Die obenstehende Abbildung ver­anschaulicht den konstruktiven Grundgedanken. Wir sehen in dieser Form des lüneburgischen Schafstalles aus Ostenloh bei Fintel ein Bauwerk, das eigentlich nur ein unmittelbar auf den tragenden Erdboden gestelltes Dach ist, aber merkwürdigerweise bemerken wir an dieser Ausbildung schon den ab- gewalmten Giebel und das breite und hohe Einfahrtsthor.

Von dem ausgebildeten Dielenhause, in dem Viehställe und Wohnräume unter ein langgestrecktes Dach vereinigt sind, und in dem die Feuerstelle in der Diele noch den Mittelpunkt des ganzen patriarchalischen Hauswesens bildet, dürfen wir annehmen, dafs es allgemein bekannt ist, und begnügen uns deshalb mit der Anführung einzelner geschichtlich festgelegter und interessanter Beispiele.