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I. Teil. Alt-Bremen.
strafse und Liebfrauenkirchhof liegenden Anbau die Schreiberei oder Kanzlei untergebracht war. Nach Fertigstellung des neuen Rathauses am Markt wurde das, auch noch weiterhin im Besitz der Stadt verbleibende ältere Gebäude an das Krameramt vermietet. Später hat es noch anderen Bestimmungen dienen müssen und ist schliefslich im Jahre 1598 zu zwei Wohnhäusern umgebaut worden, von denen das an der Sögestrafse gelegene noch lange nachher unter dem Namen „dat ole radhus" die Erinnerung an seine einstmalige Bestimmung wachhielt.
Die Erbauung des neuen Rathauses am Markt in den Jahren 1405 bis 1410 bedeutet für die bremische Geschichte den Beginn einer neuen Epoche: Nach jahrhundertelangem Ringen mit der erzbischöflichen Gewalt hat das Bürgertum endlich festen Fufs gefafst und strebt mit aller Macht einer freien Entwickelung zu. Aus den langen vorangegangenen Kämpfen mit den raub- und fehdelustigcn Friesenhäuptlingen, sowie den im Wesergebiet ansässigen Grafen ist es siegreich und innerlich erstarkt hervorgegangen. Noch sind die Kämpfe im Bunde der Hansa gegen die seeräuberischen Vitalienbrüder nicht ganz ausgefochten und stellen neue Aufgaben, aber die Schiffahrt auf der oberen Weser ist gesichert und wird durch keine erzbischöflichen Burgen mehr gefährdet.
Mit Eifer geht die Bürgerschaft daran, durch zeitgemäfsen Ausbau der inneren Verwaltung, sowie durch Neugestaltung des Rates die gewonnene Machtstellung innerlich zu festigen und durch entsprechende Mafsnahmen auch äufserlich zum Ausdruck zu bringen. Zum erstenmale in öffentlicher Urkunde betont der Rat im Jahre 1404 die Freiheit der Stadt. Die, 1366 von den Erzbischöflichen niedergerissene und verbrannte Rolandssäule ward neu aufgerichtet und durch ein dauerndes Bild in Stein ersetzt. Mehr noch aber sollte durch einen, den neuen Bedürfnissen der Verwaltung und der erhöhten Würde des Rates entsprechenden Rathausbau die Bedeutung der neu errungenen Stellung der Stadt verkündet werden.
Kennzeichnend für die neuen Verhältnisse war dabei die Thatsache, dafs dieser Neubau auf der Kirche gehörendem Grund und Boden und in unmittelbarer Nähe des erzbischöflichen Palastes zu stände kam. Eben jetzt waren die Beziehungen der Stadt zum erzbischöflichen Stuhl die denkbar besten. Hatte doch der aus dem Hause Braunschweig-Lüneburg stammende Erzbischof Otto seiner häufigen Geldverlegenheiten wegen ein persönliches Interesse, dem Aufblühen der Stadt und dem Willen der Bürgerschaft nicht entgegen zu treten.
Die bremischen Chronisten geben über die Geschichte des Baues nur dürftige Notizen, welche frühestens bis auf die Mitte des 16. Jahrhunderts zurückgehen. Auch der ausführlichste unter ihnen, Johann Renner (gest. 1583), äufsert sich mehr über das im Rathaus aufgestellte Ratsgestühl und dessen Schnitzereien und Sprüche wie über den Bau selbst. Die Stelle bei Renner lautet:
Anno 1405 wort dat nie rathus gebuwet tho Bremen und wort in ver jähren rede. Do galt dat dusend mursteins eine lübische Mark. De logerwers hadden dar ohre hus, dar se plegen tosamende kamen ; darvan hebben se noch de Privilegien im winkeller, dat se dar inne