Fig. 98. Reliquienschrein der heiligen Arzte Cosmas und Damianiiis. Bremische Goldschmiedearbeit der Zeit um 1400 ; 1648 aus dem Domschatz verkauft an die St. Michaels Hofkirche zu München.
Das Rathaus.
Von H. MÄNZ.
jereits lange vor Erbauung des heutigen Rathauses am Markt, welches, in seinem Kern ein schlichter gotischer Bau aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts, seine Berühmtheit und vor allem seine Bedeutung in der Kunstgeschichte erst dem zwei Jahrhunderte später vorgenommenen Umbau und der damals entstandenen prachtvollen Renaissancefassade verdankt, besafs Bremen ein für die Versammlungen des Rates dienendes Gebäude.
Urkundlich wird dasselbe zuerst um 1229 unter dem Namen einer „domus thcatralis" erwähnt, doch geht sein Ursprung vermutlich noch weiter zurück, bis in jene Zeit, als unter der Regierung Erzbischofs Hartwich II. (1185—1207) sich die ersten Anfänge eines Stadtrats in unserer Stadt gebildet hatten, nachdem derselben auf dem Reichstage zu Gelnhausen, am 28. November 1186, durch Kaiser Friedrich Barbarossa jene denkwürdige Urkunde ausgestellt worden war, welche die, der sagenhaften Überlieferung nach bereits von Karl dem Grofsen verliehenen Stadtrechte und Privilegien in feierlichster Form bestätigte.
Dieses ältere Rathaus stand an der Ecke des Liebfrauenkirchhofes und der Obernstrafse, da, wo heute die Sögestrafse mündet, welche damals durch einen bogenbedeckten Gang dieses Gebäudes hindurchführte. Von Anfang an aber diente es noch einem anderen Zweck, worauf schon die merkwürdige, jedoch für die damalige Zeit nicht ungewöhnliche Bezeichnung hindeutet, und erscheint zugleich als eine Art von Schau-und Kaufhaus, in dessen unteren Räumen die verschiedensten Gewerbe ihre Verkaufsstände aufgeschlagen hatten, so namentlich die Tuchhändler oder Gewandschneider, welche sich in den Gewölben an der Sögestrafse festgesetzt hatten. Im Obergeschofs hielten die Ratsherren ihre Versammlungen ab, während in einem zwischen Söge-
8*