Geschichte
des
evangelisch-lutherischen Waisenhauses bei der Domkirche.
Ein kleiner Ueberschuß von hundert Thalern aus den Armenmitteln der St. Pctri-Domkirche wurde im Jahre 1681 auf einen künftigen Nothfall zurückgelegt, und ohne den Armen etwas zu entziehen, suchte man von Zeit zu Zeit etwas mehr zu ersparen, so daß im Jahre 1687 schon über tausend Thaler belegt waren. Hiedurch wurde der damalige Superintendent und Pastor Primarius, Dr. Jac. Hieron. Lochner, und seine Collegen, die Domprediger, Joh. Knüttel und Cajus Wilh. Strömer, veranlaßt, auf die Stiftung eines Waisenhauses bei ihrer Kirche zu denken. Dieser Gedanke wurde besonders durch folgende Umstände noch mehr genährt. Die Reformirten in Bremen hatten damals schon ihre beiden sehr gut eingerichteten Waisenhauser; das eine hieß das blaue, das andere das rothe, und es war nicht unbillig, daß man lutherischer Seite auf die Errichtung einer ahnlichen Anstalt dachte. Ueberdem war der Mangel eines Waisenhauses bei der Domkirche die einzige Ursach eines großen Abgangs , den die lutherische Gemeine an jungen Gliedern jährlich erlitt.
Für lutherische Bürgerkinder, die durch den Tod ihrer Vater aller eigenen Mittel zu ihrer Versorgung beraubt wurden, blieb kein anderer Weg übrig, ihren Unterhalt, so wie Unterricht in der Religion und Anweisung in allerlei nützlichen und fürs gemeine Leben brauchbaren Geschäften zu erlangen, als in das eine oder das andere der beiden reformirten Waisenhäuser zu gehen, wo sie denn natürlich einen den Grundsätzen der reformirten Kirche gemäßen Unterricht erhielten. Und aus diesen Hausern
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