Von der Reformation bis zum Religionsfrieden, im I. 71
laute Reden darüber war gefahrlich, und man durste nur im Stillen seufzen und wünschen.
Von der Reformation bis zum Religionsfrieden im Jahre 1555.
ÄFas der Kirche, und zumal den sogenannten Laven in dersel- ben, mit der Zeit am lästigsten wurde, die gewissenloseste und ! aufs Höchste getriebene Ablaßkrämerei, das mußte, nach Gottes i weiser Regierung, endlich die erste und nächste Veranlassung zu^ der Reformation oder Glaubensrcinigung geben. Und dazu be-: diente sie sich in Teutschland Doctor Luthers, und in der! Schweiz Ulrich Zwingli's. Wittenberg stand damals um seiner vortrefflichen Lehrer willen, in solchem Ruf, daß man keine hohe Schule für Studierende besser hielt, als diese. Daher fanden sich denn fast aus allen Gegenden Teutschlands junge Leute daselbst ein. Diese erhielten reinere und bessere Religionseinsichten, und brachten, wenn sie wieder nach Hause kamen, einen guten Saamen des Evangelii und viele gute Gesinnungen zur Beförderung der Reformation zurück. Dadurch wurde den göttlichen Wahrheiten auch da die Bahn gemacht, wo die dickste Finsterniß des Unglaubens herrschte. Dies erfuhr nicht nur das Land Hadeln, sondern auch die Stadt Stade, und fast zu gleicher Zeit auch die Stadt Bremen. Heinrich von Zütphen, ein Schüler Luthers, kam im Jahre 1522 als ein Vertriebener nach Bremen. Zwei Patricier, Eberhard Speckhahn und Heinrich Esich, ein Rathsherr, ersuchten ihn, von andern Gelehrten und Bürgern unterstützt, in Bremen zu bleiben, und das Amt eines evangelisch-lutherischen Predigers an der Anscharius-Kirche zu übernehmen. Er willigte in ihr Verlangen, hielt den Sonntag vor Martini 1522 seine erste Predigt, und trug, während seines zweijährigen Aufenthalts Hieselbst, unaussprechlich viel zur Ausbreitung der lutherischen Lehre in Bremen und der Umgegend bei. Er predigte nicht dürre Scholastik, nicht weit abliegende Sachen,