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Ansichten der Freien Hansestadt Bremen und ihrer Umgebungen / von Ad. Storck. Mit 16 Kupfern
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kaufen, und zwar traf dieselbige Strafe den doppel­ten wie den einfachen Ehebruch.

Wenn aber Töchter und Nichten in dem Statut als solche bezeichnet werden, die vor der Muller zur Kirche gehen, so bemerkt man mit Vergnügen und Rührung, dafs diese uralte Sitte auch jetzt noch üblich ist, wenn man so manche würdige Mutler Sonntags mit ihren Töchtern und andern weiblichen Hausgenossen vor sich her sittsam zur Kirche ziehen sieht.

Neue Zeit.

Ein kleiner alter Freistaat, dessen hauptsäch­liches Gewerbe der Handel ist, mufs, wie ähnlich auch das Menschengeschlecht im Allgemeinen in sei­nen Bestrebungen und Leidenschaften seyn mag, doch zu jeder Zeit ein eigentümliches Gepräge der Sitt­lichkeit und des gesellschaftlichen Lebens an sich tragen, das selbst unter den wildesten Stürmen der Zeit nicht ganz verlöschen kann.

Militärisch streng erscheint nichts in den Ver­hältnissen dieser Stadt. Das Regieren wird wenig bemerkt; oder anders gesagt, wenn hin und wieder Schroffes hervortritt, so liegt das nicht an den Re­gierungsmaximen , sondern an der Regierurigssucht Einzelner, die thcils durch Character, theils aus Un- kunde von jener Maxime abweichen. Manches wird Lerichtigt durch die Vermischung der Gesellschaft. Ueberraschendes. Schroffes kommt demnach selten plötzlich zum Vorschein. Und wenn dieses nicht