Gegeneinanderstellung des Zustandes der Sittlichkeit alter und neuer Zeit.
Wenn man genau beobachtet, was uns an dem Alterthümlichen des deutschen Mittelalters so anziehend ist, so findet sich, dafs aufser dem Reiz, den überhaupt das Alterthum hat, insofern es unsere Nation, folglich auch unsere Vorfahren anging, es vorzüglich der Umstand ist, dafs die Menschen damals ihren Leidenschaften freiem Lauf liefsen, Liebe und Hafs unbeschränkter und unbemäntelter ä'ufserten, im Leben auf ihres Körpers Kraft und kampfge- Wandte ITand, im Tod auf eine sichere Versöhnung mit Gott durch Reue, Stiftungen und priesterliche Vermitteliing rechneten. Dazu kam noch etwas Besonderes bei den grofsen Bürgerschaften freier Städte, was die neuere Zeit in Betrachtung so wichtiger Acnderungen, die seitdem Statt gefunden, nicht ohne im Innersten davon durchdrungen zu werden, bedenken bann. Wie standen diese stolzen Städte im Vertrauen auf ihr Recht, auf ihre Tapferkeit und auf ihre mächtigen Bollwerke selbst siegreich gegen mächtige Fürsten! Wie zogen ganze Lfeere von Bürgern und Söldnern aus ihren Thoren gegen dieselben! Wie oft waren Krone und Scepter und an-