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Ansichten der Freien Hansestadt Bremen und ihrer Umgebungen / von Ad. Storck. Mit 16 Kupfern
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in Bremen 22000 Rthlr. durch Collecte zusammen, und als man später noch mit dieser Summe zu dem trefflichen Gebäude nicht zureichte, so wurden vor und nach über 5000 Bthlr. von wohlhabenden Glie­dern der Gemeinde zusammen- gebracht. Bei der Einweihungspredigt fanden sich in den Bechen über 1200 Rthlr. und weil noch die innern Einrichtungen nicht bestritten werden honnten, so schössen sech­zig Gemeindeglieder abermals 0000 Rthlr. ohne Zin­sen auf zwölf Jahre vor. Was Handwerker ohnent- geldlich gearbeitet, wurde auf 620 Rthlr. ange­schlagen.

Aber auch jetzt noch ist die Wohllhätigkeit für diese treffliche Anstalt nicht erhaltet. Drei Sammlungen werden jährlich angestellt. Die letz­ten kurz vor den französischen Zeiten an den Thö­ren des Doms brachten jedesmal über 2000 Rlhlr. ein. Das Volk betrachtet mit besonderer Zärtlich­keit seine Waisenhäuser. Tritt einer, der hier er­zogen worden, hernach mit Bedeutung im Leben auf, so kann man rechnen, dafs ibm vorzügliche Begünstigung unter der Bürgerschaft zu Theil wer­den wird. Die Bürger sagen dann mit Stolz, be­sonders die Frauen: das ist unser Waisenkind, das haben wir erzogen. Diese innige Theilnahme des Volks an seinen Waisen zeigt sich auch an dem jährlichen frohen Tag, wo sämmtliche Kinder zu einer einfachen Lustbarkeit aufs Land ziehen. Wenn ♦sie Abends zurückkommen, sind Spaziergänge und

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