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Ansichten der Freien Hansestadt Bremen und ihrer Umgebungen / von Ad. Storck. Mit 16 Kupfern
Entstehung
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In dieser Kirche ruhen auch die irdischen Reste eines der ausgezeichnetesten Erzbischöfe von Bremen, Hartwichs des Zweiten.

St. Stephani - Kirche.

Auf der erhabenen Stelle, wo diese alte Kirche jetzt steht, stand einst Galgen und Rad und zwar aufserhalb den ältesten Grenzen der Stadt. Dort be­fand sich auch ein Nonnenkloster. Ein Bösewicht lochte drei dieser Klosterjungfern eine nach der an­dern heraus, mordete sie nahe bei dem Gericht, und begrub sie in den Sand. "Vielleicht steht die Sage von der weifsen Frau, welche dort nächtlich ihre Wanderungen hält, mit dieser Greuelthat in Ver­bindung.

Den Tag zuvor war ein Verbrecher aufs Rad geflochten worden, der ein neues Barett auf dem Kopfe trug. Eine Magd des Bürgermeisters hatte um einen neuen Rock gewettet, dafs sie in der Nacht dem Verbrecher das Barett vom Kopfe nehmen wollte. Sie war kühn genug, ihre Verheifsung wahr zu machen, und begab sich auf den Platz. Als sie aber eben die Hand nach dem Barett ausstreckte, sah sie wie der Bube die dritte Jungfrau tödtete und begrub. Die muthige Magd schwang sich bei die­sem furchtbaren Anblick rasch auf de« Mörders Pferd, das an das Rad gebunden war, ritt in die Stadt, band das Pferd an des Bürgermeisters Haus auf der obern Strafse, an dem Gäfschen das hinab zur Hun- destral'se führt.

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