Mitte steht erblicht rechts den Dom und das vormalige erzbischölliche Palatium, das nun zu andern öffentlichen Zwecken umgebaut worden. Vor sich hat man in ganzer Länge das Rathhaus, links erscheint die Börse, und an der Weserseite das Versammlungs- haus der Aeltermänner, genannt Schütting; und näher beim Rathhaus blichet die Rolandssäule hoch und ernst über das Geräusch des Marktes hinweg.
Das R a t h h a u s.
Das Auge des Runstkenners, wie des Verehrers des deutschen Mittelalters ruht mit gleichem Wohlgefallen auf diesem schönen Gebäude. Das eigentliche Bauwerk mit seinen aufsen herumgestellten steinernen Figuren ist aus älterer Zeit, und ersetzte selbst auch wieder ein noch älteres, das den Raum zwischen der Sögestrafse, der Obernstrafse und dem Liebfrauen- Rirchhofe einnahm. Zur merkwürdigen Erinnerung für alle die, die im Rathhause je sitzen sollten, wohin Selbstsucht, Herrschsucht und Gewaltthätigkeit am Ende in einem Freistaat führen, ward es auf dem Platz, wo einst des verbannten Bürgermeisters * Götke Frese, schon seit fast hundert Jahren unbewohnt gebliebenes, beinahe zerfallenes Haus gestanden, aufgeführt; und da dieser Platz nicht hinreichte, wurde das Zunfthaus der Lohgerber vertragsweise mit dazu genommen.
So begann der Bau im Jahre 1405 und ward fünf Jahre später beendigt. Im Jahre 1491 wurde das Rathhaus nach Norden erweitert; im Jahre 1545