Print 
Ansichten der Freien Hansestadt Bremen und ihrer Umgebungen / von Ad. Storck. Mit 16 Kupfern
Place and Date of Creation
Page
59
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

59

Da ging auch der hochherzige Gerold zum Tode; ihm folgten zwanzig Friesen, die wurden auf's Rad gelegt. Die Deutschen -wurden begnadigt um ihres Verraths an den Friesen willen. Der grausame obwohl kluge Balieer wurde später von einem Friesen erschossen.

Ein Gastfreund Gerolds in Bremen liefs ihm zum Gedä'chtnifs am Ende des Dom-Umgangs ein steinern Bild mit langen Haaren errichten. Ein Richtschwert steht vor der Gestalt *). Tausende mögen vorbeigehen, und dieses nun übertünchte, nicht von Meisterhand verfertigte, Steinbild über­sehen: aber wer diese Zeilen liest, wird vielleicht hingehen, über eine barbarische Zeit seufzen, dem Tod früh anheim gefallene Jugend beklagen, und dem biedern Gastfreund ein Andenken weihen **).

Rüstringer Krieg.

Die fünf Kirchspiele des Budjadinger Landes gehorchten eben so vielen Häuptlingen, welche die Kirchen stark befestigt hatten, und sie als Burgen

*) Roller irret, wenn er S. 325- seiner Geschichte meint, das Bild sev nicht mehr da. Freilich im Dom ist es nicht; Ren­ner aber sagt ausdrücklich, es stehe in der Ecke des Um­gangs, wenn man aus der Thiire tritt, die vom Chor in den Umgang führt.

**) Der Rathsherr, Dr. Deneken, hat dem Künstler Tischbein in Eutin das rührende Schicksal Gerolds zum Gegenstand eines Gemaides aufgegeben. Ich habe den Künstler auslegen hören, wie das Bild zu fassen sey, so dafs es das Ereignifs ausspricht. Seine Idee war gut, die Ausführung aber verzögert sich.