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Kriege.
Es ist nicht zu leugnen, dal's die Periode der Entwickelung der politischen Verhältnisse eines Staats gröfsere Talente und wichtigere Ereignisse hervorbringt, als die Zeit, wo Alles in Ruhe gehommen ist. In dem Maafse, wie in den Staaten der Möglichkeit, Unruhen zu erregen, vorgebeugt wird, verliert ihre Geschichte an Interesse; die Beispiele erhabener Vaterlandsliebe und edler Aufopferung werden seltener, und die Geschichte wird ihres schönsten Schmuckes beraubt.
Ein unglücklicher Krieg gegen die Butjadinger beschäftigte eine kurze Zeit die Bremer. Von gefährlicherer Art war die Fehde des Erzbischofs Albert und der Stadt Bremen gegen die verdensche und lüneburgische Ritterschaft und den Herzog von Braunschweig-Lüneburg. So scherzhaft die Veranlassung war, die Behauptung des Domdechanten von Zesterfleth, dafs der Erzbischof ein Zwitter sey, folglich nach dem canonischen Recht nicht Geistlicher und Bischof seyn könne, ein Gerücht, das nur durch dreimalige Besichtigung in Bremen, Hamburg und Stralsund widerlegt werden konnte, so wichtig waren die Folgen. Für Bremen war der Ausgang der Fehde vortheilhaft.
Fehden mit den umwohnenden Häuptlingen liefen glücklich ab, und König Wenzel bestätigte im Jahr 1391 der Stadt Privilegien. Von den häufigen Kriegen gegen die seeräuberischen Friesen, zum