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theil. Mehrere der angesehensten Bürger zogen mit aus. Als in der langen Belagerung von Accon Krankheit unter den Kreuzfahrern überhand nahm, da spannten Bremer und Lübecker gemeinschaftlich ein Segel zum Zelte aus, nahmen Kranke auf, verpflegten sie, und diefs war der kleine Anfang des deutschen Kitterordens. Otto von Karpen, der seines Gleichen nicht im gottseligen Wandel hatte *), ein Bremer Bürger, war zweiter Ordensmeister. Dreis- sig Jahre früher (1158) war ein auf Cabotage ausgesandtes, reich beladenes Bremer Schiff in der Ostsee von seinem Weg abgekommen, mufste in die Dwina einlaufen, und gab Veranlassung zur Gründung der Stadt Kiga, und eines dauerhaften, vor- theilhaften Handelsverkehrs, wie zur Bekehrung der heidnischen Liefländer **). Von den Kreuzzügen hatten überhaupt die niederdeutschen Seestädte lange nicht den Vortheil, wie die italienischen; desto mehr aber von der Kolonisirung an der Ostsee und dem Handel mit diesen Kolonien.
Stadt und Erzbischof.
Als Bischof und Gemeine beide ihrem Vortheil angemessen fanden, sich von dem Drucke des Königsvogts oder Hofrichters zu befreien, war es
*) Des Chronisten Ronners Worte.
**) Das Wappen der Stadt Riga, ein Schlüssel, bezeugt noch jetzt die alte Abstammung. Erzbischof Hartwich der Erste weihete den ersten lieftändischen Bischof Meinard; seine meisten Nachfolger kamen in den nächsten Jahrhunderten aus Bremen.