Zeitschriftenband 
Bd. 1 (2004) Katalog der mittelalterlichen Handschriften der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen / bearb. von Irene Stahl
Entstehung
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Charakterisierung der Bestände

hannes de Vockenbeke 31 . Die Bildzyklen sind - abgesehen von dem zum Decretum Gra- tiani 32 - bisher kaum erforscht. Die Suche nach Vergleichsmaterial ist aufwendig, Erfolge sind nicht selten dem Zufall zu verdanken. Der ikonographischen Beschreibung dieser Zyk­len wird daher in diesem Katalog ein ungewöhnlich breiter Raum gewidmet.

Handschriften Bremer Provenienz

Den Handschriften der Dombibliothek, besonders den erhaltenen Bänden aus der Schen­kung des Erzbischofs Hartwig I., ist oben ein eigener Abschnitt gewidmet. Deswegen soll hier nur noch auf das Pontifikale hingewiesen werden, für dessen Entstehung im Raum Bre­men sehr große Wahrscheinlichkeit spricht 33 . Ansonsten haben sich aus Bremer Kirchen und Klöstern nur wenige Stücke erhalten. Fünf heute noch in der Staats- und Universitätsbiblio­thek aufbewahrte Bände stammen zweifelsohne aus ehemaligen Kloster- und Stiftsbibliothe­ken, nämlich eine zweibändige Bibel und ein Kapitelbuch aus dem Willehadi-Stift 34 , ein Evangelienkommentar von Nicolaus de Gorra aus dem Benediktinerkloster St. Paul 35 und ein Kirchenrechtskommentar von Johannes de Erfordia aus dem Franziskanerkloster St. Jo­hannis 36 . Dazuzurechnen wäre ein Psalter, der 1647 von Eberhard Wedemeier, dem Senior Canonicus des Willehadistifts, der Ratsbibliothek übergeben wurde 37 . Drei weitere Bände aus dem Dominikanerkloster St. Katharinen, dem Franziskanerkloster und dem Ansgari- Stift befinden sich heute in Hamburg-Altona, Stockholm und Manchester 38 . Aus Bremer Pfarrkirchen stammen die Statutenbücher der Bruderschaft Maria Misericordiae 39 und der St. Annen-Bruderschaft an St. Marien 40 und ein Missale der Pfarrkirche St. Martin, das heute in Kopenhagen aufbewahrt wird 41 . Bei einem Band mit lateinischen Predigten, einem weite­ren Psalter und zwei Diurnalien muß aufgrund der in ihnen erwähnten Heiligenfeste eben­falls von einer Bremer Provenienz ausgegangen werden, die aber nicht genauer eingegrenzt werden kann 42 . Alle vor 1450 datierten Urkundentexte im Kapitelbuch von St. Willehadi und den Statutenbüchem der beiden Bruderschaften sind publiziert. Um so mehr Bedeutung kommt einem nur als Vorderspiegel von Bremen msa 0152 erhaltenen, auf ca. 1400 zu datie-

31 Vgl. Anm.6.

32 A. Melnikas, The corpus of the miniatures in the manuscripts of Decretum Gratiani, 3 Bde, Rom 1975 (Studia Gratiana 16-18).

33 Bremen msa 0157. Beeindruckend ist das Kanonbild Bl.34 v : Christus hängt mit geschlossenen Augen und dem Ausdruck intensiven Leidens an einem Gabelkreuz, dem - eine Anspielung auf das Lebensbaummotiv - gol­dene und silberne Ranken entwachsen.

34 Bremen msa 0001-01, msa 0001-02, msa 0044.

35 Bremen msa 0027.

36 Bremen msa 0137.

37 Vgl. Bremen msb 0001, VS.

38 S. Krämer, Handschriftenerbe des deutschen Mittelalters, München 1989 (Mittelalterliche Bibliothekskata­loge Deutschlands und der Schweiz. Ergänzungsband I), 116 f.

39 Bremen msb 0004.

40 Bremen msa 0158, die Handschrift gelangte ebenfalls in die Dombibliothek.

41 Krämer (vgl. Anm. 38), 117.

42 Vgl. Bremen msb 0101, msb 0109, msc 0045 und msc 0060. Im einzelnen sei auf die Beschreibungen im Kata­logteil verwiesen.

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