Druckschrift 
Infanterie-Regiment Bremen im Felde 1914 - 1918
Entstehung
Seite
114
Einzelbild herunterladen
 

Herr, wo befiehlst du, daß wir sterben sollen?

(22. März 1918)

Von Oberleutnant Flach.

wischen gestern und heute ist kein neuer Tag angebrochen. Bei offenem Vorhang ist die Nacht über die Bühne gegangen. Der Funke, der gestern gezündet worden, brennt ohne Unterlaß. Mit vorgeschleuderten Fäusten hämmern am Morgen des 22. März die Batterien auf den Vraucourt-Riegel. Vor dem Hohlweg Noreuil-Morchies streckt sich das RegimentBremen wie eine Lanzenspitze gegen den Feind. Langsam dehnt es sich jetzt in die Breite und schiebt den Druck seiner Sturmwellen gegen die starke feindliche Stellung. Das BataillonCaspari führt. 200 Meter vor dem feindlichen Graben steigen die Gestalten der Bremer durch den Nebel schattenhaft in das englische Gesichts­und Schußfeld hinein. Ein Hagel von Infanteriefeuer empfängt sie. Der Feind ist unerschüttert und zum Äußersten bereit. Vor seinem einen gespickten Graben ein doppeltes Band braunroten Draht­verhaues von je 8 Meter Tiefe, gleichfalls unversehrt und lücken­los. Dort oben auf dem Grabenaufzug laufen Köpfe mit flachen Stahlhelmen hin und wieder. Die Leiber sind tief geborgen im Schoß der Erde und für Gewehrfeuer unerreichbar.

114