Vor dem Sturm
Von Hauptmann Engelhardt
agesschlaf und Nächtemarsch. Leer waren am Tage die Straßen und die Gassen der Dörfer. Aber wenn die Nacht den Himmel mit dunkler Sehnsucht füllte, aus der wie tausend zitternde Wünsche die Frühlingssterne brachen, dann begann sich ein heimliches, vielfältiges Leben zu regen. Aus Toren und Türen eilte es tastend heraus, auf Gassen und Wegen ballte es sich klirrend und murmelnd zusammen, über die Heerstraßen kroch es wie Herden von riesigen Lindwürmern, dahin und dorthin, daß ihre Leiber das Land wie ein Spinnennetz überzogen. Und Rosse und Reiter, Wagen und gespenstische Gefährte, aus deren Hinterteil ein unheimlich dicker, langer Stachel starrte, begleiteten die Untiere. Die Unterwelt schien ihre Pforten geöffnet zu haben.
Aber nicht das Leben der Unterwelt zog in gebändigten Massen durch das Dunkel. Die gewaltigste, heiligste Kraft der Erde war es: der zu großer, befreiender Tat vereinte Wille eines ganzen Volkes, die Millionen Fäuste wie eine einzige um die Waffe sich schließen ließ, die Herd und Heimat schützen sollte; der alle Seelen zu demselben stählernen Drang zusammenschweißte: „Drauf auf
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