Der Anfang des Somme-Dramas
9. Juli 1916
Von Leutnant Dräger
n der Front rollt es ununterbrochen. Es klingt so, als wenn eine große Kolonne schwerer Lastwagen dauernd über Kopfsteinpflaster fährt. Die Fenster klirren in einem fort, ohne Unterbrechung. Und am Abend zuckt und irrlichtert der ganze Horizont von den Tausenden von Einschlägen und Abschüssen. — Derart waren die Regiemittel zu dem langen und blutigen Drama: „Die Somme.“
Unser Bataillon lag in Vaux, einem idyllischen, in tiefem Grün versteckten Dörfchen. Das Regiment, dessen andere Bataillone ringsum in anderen Ortschaften lagen, war Armee-Gruppen-Reserve.
Es war die Zeit des Beerenobstes. Wir schwelgten in Johannisund Stachelbeeren. Immer mit dem Untergedanken: „Iß dich nur noch satt, freue dich nur noch des Daseins. In wenigen Tagen steckst du da vorne drin in dem Krachen und den zuckenden Explosionen als ein Nichts, ohnmächtig wie eine Ameise unter der Stiefelsohle.“ Wir saßen noch einmal zu Mittag an einem gedeckten Tisch, wir lagen noch einmal zur Nacht in einem überzogenen Bett. An Schlafen war nicht zu denken. Die Fensterscheiben klirrten zu sehr.
VH
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