Print 
Inventar der Quellen zur Geschichte der Wanderungen, besonders der Auswanderung, in Bremer Archiven / bearb. von Peter Marschalck
Place and Date of Creation
Page
17
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

17

der Auswandererbeförderung über Bremen werden durch eine Kon­zepterweiterung neue Aspekte, neue Themen, neue Forschungsfel­der eröffnet werden.

II.

Nach Philadelphia wird in 14 Tagen Capitain William Campbell, mit dem schne11sege 1nden Americanischen Schiffe, the Poll y genannt, von hier absegeln. Da die Ladung bereits ganz angenommen, so empfiehlt er blos die Bequemlichkeit seines Schiffs zur Mitnah­me von Passagiers, sowol in der Cajüte als zwischen Decks. Der Schiffsmäck1er Arnold Tidemann zeiget das Nähere davon an.

Als diese Anzeige^ 1796 in den Bremer Wöchentlichen Nachrich­ten erschien, war die direkte Amerikaschiffahrt und damit die direkte Auswandererbeförderung nach den USA gerade erst mög­lich geworden. Bis zum Ende des amerikanischen Unabhängigkeits krieges blieb insbesondere der Nordatlantikverkehr den Bestim­mungen der englischen Navigationsakte unterworfen, nach denen es nur großbritannischen Schiffen erlaubt war, die Häfen bri­tischer Kolonien anzulaufen; die Auswandererbeförderung von Bremen aus beschränkte sich also bis 1782 auf den Transport von Auswanderern nach England, von wo sie dann weiter in die Kolonien auf dem nordamerikanischen Kontinent befördert wurden

Zwar waren schon an den Vorbereitungen zu den ersten Auswande­rungsunternehmen deutscher Pietisten unter Franz Daniel Pasto- rius nach Pennsylvanien ; bremische Bürger , der 1684 von Köln zugewanderte Kaufmann Johann Lebrun und der 1688 zum Bre­mer Ratssyndikus berufene Duisburger Universitätsprofessor Gerhard von Mastricht, beteiligt gewesen, die Bedeutung der Auswandererbeförderung für den bremischen Staat und die bremi­sche Wirtschaft blieb während des 18. Jahrhunderts gleichwohl noch gering, wenn es auch schon zu einzelnen spektakulären Amerikaauswanderungen gekommen war. Einer dieser Fälle war der Durchzug von 12000 hessischen Soldaten durch Bremen im Jahre 1776, die als englische Hilfstruppen nach Nordamerika gebracht wurden, und - nicht minder aufsehenerregend - die Rückkehr der überlebenden Invaliden 1783. Ein anderer Fall war die Auswan-