Bremen — Staatsarchiv
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Amerika" der erste Prediger, August Ludwig Siegel aus Vegesack, nach Buenos Aires geschickt. Auf Deetjens Veranlassung wurde auch 1857 der „Deutsche Krankenverein" in der argentinischen Hauptstadt gegründet.
Mehr noch als an der Ostküste machte sich der Vorsprung Hamburgs vor Bremen im Lateinamerikageschäft an der Westküste Südamerikas bemerkbar, wenngleich gerade das erste hier gegründete deutsche Handelshaus, die Firma Schütte, Post & Co. in Valparaiso, bremischen Ursprungs war. Die Bremer Firma Gildemeister y Cia. in Iquique hatte erheblichen Anteil am Salpetergeschäft. — Am Aufbau der Zuckerwirtschaft Perus waren Bremer beteiligt, ebenso wie Martin Wessels, der Erbauer der ersten Eisenbahn zwischen Barranquilla und Savanilla sowie Gründer einer Dampferlinie auf dem Mag- dalenenstrom, und Adolf Held, der die Deutsche Antioquia-Bank gründete, sich um die wirtschaftliche Entwicklung Kolumbiens verdient machten.
Auch in Mexiko ließen sich zahlreiche Bremer nieder: Christian Schleiden kam Anfang 1826 als kaufmännischer Leiter des Deutsch-Amerikanischen Bergwerkvereins (vgl. Nordrhein-Westfalen — Vorbemerkung) ins Land; die Firma Spitta, Hagedorn & Co. eröffnete hier um 1830 Agenturen; das Haus C. Melchers & Co. hatte bereits ein umfangreiches Kubageschäft betrieben, bevor es 1846 auch eine Zweigniederlassung in Mazatlän einrichtete, um von dort aus Tabak nach Bremen zu exportieren.
Der Norddeutsche Lloyd, die 1857 gegründete größte bremische Dampfschiffsreederei, rief 1871 eine Schiffslinie nach Westindien ins Leben, der bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges drei weitere Linien nach Südamerika folgten. Daneben unterhielt seit 1889 die Deutsche Dampfschifffahrts-Gesellschaft „Hansa" eine regelmäßige Verbindung mit den La-Plata-Staaten, und die Roland-Linie begann 1905 mit dem direkten Verkehr nach der südamerikanischen Westküste. Außer den Erzeugnissen der deutschen Industrie brachten Bremer Schiffe deutsche Auswanderer nach Lateinamerika. Die Bedeutung des Auswanderergeschäftes wurde an der Weser weit eher erkannt als an der Elbe; und um so bedauerlicher ist es, daß gerade die Auswandererlisten in Bremen nicht erhalten geblieben sind.
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Literatur: Bremen (Teil von: Les grands depots d'archives du monde), in: Archivum, Bd XV, 1965, S. 55—58. — Das Staatsarchiv Bremen 1968. Behörde — Dokument — Geschichte. Bremen 1968 (Veröffentlichungen aus