Vorwort
Der vorliegende Leitfaden soll im Verein mit den von anderen Ländern Europas erarbeiteten Führern durch die europäischen Quellen zur Geschichte Lateinamerikas eine Gabe unseres alten Kontinents an die jungen Nationen Lateinamerikas sein. Seine Entstehung verdankt er dem im Jahre 1958 gefaßten Beschluß des Conseil International des Archives (CIA) in Paris, die in den europäischen Archiven und Bibliotheken ruhenden Quellen zur Geschichte der außereuropäischen Staaten, insbesondere der Entwicklungsländer, inventarisieren und durch die Veröffentlichung der Reihen «Guides des sources de l'histoire des nations» der internationalen Geschichtsforschung zugänglich machen zu lassen 1 ). Zuerst richtete sich das Augenmerk auf Lateinamerika, dessen Geschichte durch europäische Quellen sehr reich dokumentiert ist 2 ). Das Unternehmen erfreute sich von vornherein der ideellen und materiellen Förderung durch die UNESCO und der Mitarbeit der beteiligten europäischen Länder. Eine 1959 in Paris zusammengetretene Kommission von prominenten Archivaren und Lateinamerikaexperten bestimmte die allgemeinen Richtlinien, insbesondere den geographischen und zeitlichen Umfang der Edition, ein von ihr berufenes Comite technique, in das der für den Faszikel der Bundesrepublik Deutschland verantwortliche Unterzeichnete eintrat, die näheren editionstechnischen Modalitäten.
Der schnellen praktischen Durchführung des Unternehmens stellten sich freilich bald allerhand Schwierigkeiten entgegen. Vor allem zeigte es sich, daß die mehr von der Struktur der zentralistisch verwalteten Einheitsstaaten abgeleitete Vorstellung der Kommission, die Arbeiten könnten in aller Regel durch einige von den einzelnen staatlichen Archivverwaltungen beauftragte, mit dem Thema besonders vertraute Staatsarchivare ex officio durchgeführt, in Föderativstaaten dagegen von den jeweiligen archivarischen Fachvereinen organisiert werden, in dieser Form nicht realisierbar war — zumindest was die Bundesrepublik Deutschland angeht. Hier lehnten nämlich die Archivverwaltungen der Länder das Ersuchen des Unterzeichneten, das Unternehmen in eigene Regie zu nehmen und so in Gemeinschaftsarbeit zügig zu vollenden, wegen Personalmangels unter Hinweis auf die Zuständigkeit des Bundes ab. Der finanzschwache Verein Deutscher Archivare aber konnte in dieser Situation nicht weiterhelfen, da es nunmehr galt, die Arbeiten unter erheblichen personellen und sachlichen Ausgaben durch privatvertraglich verpflichtete Wissenschaftler ausführen zu lassen. Mittel dafür standen indes nicht zur Verfügung, da die Pariser Kommission die Subvention der UNESCO schwerpunktmäßig allein den Ländern mit großen geschlossenen Latein-
*) Vgl. Charles Kecskemeti, Le „Guide des sources de l'histoire des nations", in: Bull. Unesco Bibi., Bd. XVIII, Nr. 3, Mai/Juni 1964.
! ) Vgl. Karl H. Schwebel, Der Lateinamerikaführer des Internationalen Archivrats, in: Jahrbuch der Geschichte von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft Lateinamerikas, Bd. 5, 1968, S. 1—5.