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Geschichte Bremerhavens / von Georg Bessell
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SIEBENTES KAPITEL

DAS ERSTE JAHRZEHNT

Bremerhavens Bedeutung für Bremen

Mit der Eröffnung von Bremerhaven beginnt eine ganz neue Ära für den Handel und die Reederei Bremens. In diesen 20 Jahren hat sich der Handel mindestens verdreifacht, die Reederei verdoppelt, das Kapital der Stadt außerordentlich vermehrt. Das ins Wasser geworfene Geld hat unerwartet reiche Zinsen getragen. Die Spötter sind beschämt, und die Gründung Bremerhavens wird von allen Seiten als eine geniale Tat gepriesen. Man bedauert nur eines: daß man vor 20 Jahren zu sparsam gewesen ist."

So urteilte ein besonnener und scharfblickender Beobachter Otto Gildemeister im Jahre 1852.

Es war gewiß die Gründung Bremerhavens nicht die einzige Ur­sache für den außerordentlichen Aufschwung des bremischen Han­dels. Jene 20 Jahre sind für ganz Deutschland, ja für ganz Europa eine Zeit großer wirtschaftlicher Umwälzungen gewesen. Aber so viel darf man gewiß sagen, daß Bremen an dem Gewinn dieser Jahre den Smidt bereits 1825 voraussah nur einen weit geringeren Anteil hätte nehmen können ohne den Besitz von Bremerhaven.

Die Periode von 18151830 ist trotz mancher Ansätze zu künftigen großen Entwicklungen, die auch in ihr schon sichtbar werden, doch im ganzen für Bremen wie für ganz Deutschland noch eine Zeit ruhigen Geschäftsganges, eine Zeit der Erholung nach den schweren Erschütterungen der vorhergegangenen zwanzig Kriegsjahre gewesen. Noch war Deutschland arm, es war ganz überwiegend Agrarland. Das Wirtschaftsleben vollzog sich in den seit Jahrhunderten hergebrach­ten Formen, unter den unzähligen Hemmungen und Beschränkungen, die ihm in Deutschland seit dem Mittelalter auferlegt waren. Noch be-